IBA Hamburg GmbH: Wilhlemsburg-Mitte
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Reif für die Insel

*1. Text von 4 erschienen im November als Sonderveröffentlichung (Beilage) in der ZEIT Hamburg, Wohnen am Wasser

Reif für die Insel

Die Elbinseln Wilhelmsburg, der Stadtteil Veddel als auch der Harburger Binnenhafen standen im Fokus der internationalen Bauausstellung in Hamburg, die in ihrem Präsentationsjahr 2013 mehr als  650.000 Besucher anzog.  In den zuvor vernachlässigten Stadtteilen südlich der Elbe entdeckten sie nuninnovative und umweltfreundliche Wohnkonzepte am oder mitten im Wasser. Doch die IBA markiert nur den Anfang einer Städteplanung, die sich auf die Zukunft vorbereitet.

Der Klimawandel zeigt seine ersten Auswirkungen auch in Europa. Verstärkte Hochwasser und extreme Hitzewellen sind zwei der deutlichsten Konsequenzen der Erderwärmung. In Hamburg löst der Begriff Hochwasser bei alt Eingesessenen, die 1962 die Sturmflut miterlebten, nach wie vor den Wunsch aus, das Wasser soweit wie möglich aus den Wohngebieten herauszuhalten. Doch schenkt man den Vorhersagen von Experten, wie etwa dem Hamburger Klimaforscher Mojib Latif Glauben, dann müssen andere Lösungen gefunden werden. Denn die Klima-Prognosen für die Welt in fünfzig Jahren zeigen auf, dass Deiche nicht ausreichen werden, um die Menschen und deren Wohnraum vor dem Hochwasser zu schützen.
„Die Metropolen müssen sich mit neuen Städtebaukonzepten dem Klimawandel anpassen“, sagt IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg. Die Internationale Bauausstellung, IBA Hamburg ist eine hundertprozentige Tochter der Freien und Hansestadt Hamburg mit Sitz in Wilhelmsburg, dort wo die Sturmflut damals den größten Schaden anrichtete. 2001, knapp vier Jahrzehnte nach der Katastrophe, wurde von den Bürgern der Bezirke Wilhelmsburg und Veddel, die noch immer unter den Folgen der Zerstörung litten, die „Zukunftskonferenz Wilhelmsburg“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Behörden erarbeitete man zukünftige Konzepte für die geschädigten Bezirke, die von Norder-  und Süderelbe umflossen werden und damit auf Europas größter bewohnter Flussinsel liegen.[HR1]  2004 beschloss die Stadt Hamburg das Leitprojekt „Sprung über die Elbe“, aus dem die IBA Hamburg entwuchs. Primäres Ziel war und ist es, die südlichen Stadtteile Wilhelmsburg, Veddel und Harburg, zu entwickeln und für die Zukunft zu wappnen.

Im Jahr 2007 begann die IBA Hamburg mit einem breit angelegten Maßnahmenprogramm. Eines der Leitthemen: ‚die Stadt im Klimawandel’. Aufgabenstellung war unter anderem, angesichts des Klimawandels Lösungen zu finden für hochwassergefährdete Gebiete und Pläne zu entwickeln, wie das Wohnen und Leben am Wasser in Zukunft aussehen soll. 

Zu den wohl spektakulärsten Projekten der IBA gehören die 2013 präsentierten WaterHouses in der Mitte der Elbinsel. „Diese fünf Gebäude sind ein gutes Beispiel dafür, wie man Wasserlagen als Wohnstandort unter Berücksichtigung von Umweltbelangen und dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen nutzen kann“, sagt Uli Hellweg. Der Clou der vier TriPlex-Häuser mit je drei Wohnungen und dem herausragenden Watertower, der 22 Wohnungen beherbergt: Sie stehen mitten in einer 4.000 Quadratmeter großen Wasserfläche, die als Regenrückhaltebecken fungiert und in das Gewässernetz integriert ist. „Diese Retentionsräume sind gedacht als Auffangbecken nach stärkeren Regenfällen oder auch wenn die Flut steigt“, erklärt der IBA-Chef. „Durch solche Rückhaltebecken werden die Pumpen an den Deichen entlastet. Es gibt sie bereits in vielen Städten, allerdings wurden sie bis jetzt noch nicht baulich genutzt.“

Abgesehen von ihrer städtebaulichen Bedeutung bieten die WaterHouses alles, was man sich nur wünscht, wenn man sich für das Wohnen am Wasser entscheidet: Die Häuser stehen auf Pfählen, der Zugang erfolgt über Stege. Jede Wohnung hat einen Balkon oder eine Terrasse, auf Wasserebene gibt es zudem eine Gemeinschaftsterrasse. Es gibt Bootsstege, Unterwassergärten und Wasserwände als Sichtschutz. Selbst das Energiekonzept für die WaterHouses, die von der Hochtief Construction errichtet wurden und mittlerweile alle bezogen sind, hält sich an das natürliche Umfeld. Der geringe Wärmebedarf der Passivhäuser wird über die natürliche Grundwasserwärme und die Sonneneinstrahlung gedeckt: Eine Geothermie-Wärmepumpenanlage nutzt das Wasser zur Temperierung der Häuser. Durch Solarthermie-Elemente in den Fassaden werden die Wohnungen mit Warmwasser versorgt.

Im Präsentationsjahr 2013 wagten mehr als 625.000 Menschen den ‚Sprung über die Elbe’, um die Bauten der IBA Hamburg zu besuchen. Und auch ein Jahr später noch strömen Besucher aus aller Welt zu den Vorzeigebauten, von denen sich derzeit noch viele weitere in der Planung befinden. Denn heute, sieben Jahre nach der Gründung der IBA, sind die Elbinseln auf dem Weg zu einem der innovativsten Stadtteile Hamburgs, wenn nicht sogar ganz Deutschlands.

 

die schroeder
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