Loft Cube Hebung1
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Loft on Top – Berlin / Graz

Berliner Dschungel, Grazer Wildnis
Ein INTERVIEW mit Werner Aisslinger zum Loftcube in Graz
Beitrag aus DIE PRESSE, Österreich, SCHAUFENSTER, 4.11.2014

 

Werner Aisslinger ist dem Trend gerne voraus. Der Produktdesigner aus Berlin entwirft Möbel, die weltweit auf Messen oder auch im MoMa in New York ausgestellt sind und er kreierte bereits acht Designhotels. Vor Kurzem hat er mit seinem Studio Aisslinger, seit 1993 in Berlin ansässig, das Hotel im Bikinihaus am Berliner Bahnhof Zoo ausgestattet und damit für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Vor rund zehn Jahren machte Aisslinger das Hotel Daniel in Graz zum Vorzeige-Designhotel. Am 31. Oktober erfolgte die Krönung, das Loftcube. Ein Prototyp für nomadisches Wohnen, in dem Hotelgäste das Leben in der Zukunft ausprobieren können.

Ein Gespräch darüber, wie man die Stadt in ein Hotel holt, warum der Berliner Westen wieder hip ist und wieso das Loftcube in Graz zum ersten Mal seine wahre Bestimmung gefunden hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herr Aisslinger, das Loftcube thront nun auf dem Dach des Hotel Daniel in Graz. War das schon so geplant als Sie das Hotel 2005 eingerichtet haben?

Werner Aisslinger: Nein, geplant war das nicht, allerdings hat es sich angeboten. Die Idee hinter dem kleinen mobilen Haus ist, das man es auf leeren Flachdächern, wie etwa auf jenen der vielen Plattenbauten in Berlin aufstellt, und damit die ungenutzte Fläche besiedelt. Das Loftcube wurde 2003 von uns als Prototyp für nomadisches Wohnen entwickelt und ist als Wohnkonzept zur Rückgewinnung von urbanem Raum gedacht. Abgesehen davon kommt das Loftcube noch einem anderen Wunsch vieler Großstädter nach: Mobilität. Wenn man will kann man damit jederzeit auch in eine andere Stadt umziehen.

In der Zukunft werden also Loftcubes auf Flachdächern weltweit stehen?

Werner Aisslinger: Ja, warum nicht? Das Minihaus ab 39 Quadratmeter gibt es leer schon für etwa 100.000 Euro, je nach Einrichtung kostet es bis zu 150.000 Euro. Es bietet alles, was man zum Leben braucht und kann im Grunde einfach mitgenommen werden in eine andere Stadt. In unserer ursprünglichen Idee hatten wir auch mietbare Loftcube-Stellplätze auf Flachdächern in Amsterdam, London oder New York mit eingeplant.

Das Hotel Daniel in Graz nimmt also jetzt eine weltweite Vorreiterrolle ein?

Werner Aisslinger: Das hat es bereits vor zehn Jahren. Es war das erste Budget Designhotel mit 3 Sternen, und nicht wie üblich mit 5 Sternen. Deswegen wurde es auch zum ‚Hotel of the year 2006’ gekürt. Aber seitdem hat sich viel geändert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die großen Ketten stellen den Egg Chair von Arne Jacobsen in die Lobby, fertig ist das Designhotel. Ist der Begriff überhaupt noch tragbar?

Werner Aisslinger: Die Range ist heute sehr weit, das stimmt. Letztlich darf man jedoch, wie bei jedem Design, dem Trend nicht hinterherlaufen, sondern man muss vor der Welle schwimmen. Deswegen ist das Hotel Daniel nach fast einem Jahrzehnt immer noch einzigartig. Es hat an seiner Authentizität und seinem kreativen Anspruch bis heute nichts verloren.

Wann macht ein gutes Designhotel aus?

Werner Aisslinger: Ein gutes Designhotel bringt die Stadt in das Hotel. Es vernetzt sich durch lokale Services, individuelle Kunst oder regionale Küche mit der Welt um sich herum. Es darf keine Konserve, in der die Touristen unter sich bleiben, sein. Es muss eine Durchmischung an Hotelgästen und Lokals, die ebenso gerne dort in die coole Bar oder das ausgefallene Restaurant gehen, stattfinden. Und im Idealfall entwickeln die Designmöbel aufgrund ihrer Qualität nach einiger Zeit sogar eine Patina.

Dieses Konzept haben Sie im neuen Hotel im denkmalgeschützten Bikinihaus in Berlin wie umgesetzt?

Werner Aisslinger: Da gibt es mehrere Ansätze. An den Wänden der 23 Suiten hängen Schindelhauer-Fahrräder, die man für die Fahrt durch die Stadt einfach abnehmen kann. Die hauseigene Bäckerei wird in Kooperation mit dem Berliner ‚Alpenstück’ betrieben und die Rezeption wurde mit U-Bahnhof-Fliesen vom Alexanderplatz ausgestattet. Im 10. Stock befindet sich übrigens auch ein Ableger des ‚Neni am Naschmarkt’ aus Wien. Abgesehen davon hatten wir im 25hours Hotel aber noch eine andere Aufgabe, wir wollten eine Geschichte erzählen.

Lounge des 25hours Hotel im Bikini Haus Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Designhotel als Storyteller, so wie in Disneyland?

Werner Aisslinger: Nicht wirklich wie in Disneyland. Eher eine Art Erlebnishotel, das dem Gast Geschichten mitgibt, die er Zuhause erzählen kann. Wir haben die Umgebung des Hotels, das sich in der Nähe des Berliner Zoos befindet, mit dem Überthema Großstadtdschungel ins Haus geholt. Es gibt die Monkey Bar im Dachgeschoss, von der aus man einen tollen Blick auf die Gedächtniskirche aber auch auf das Affenhaus inklusive Zoo hat. Das Restaurant erinnert an ein Gewächshaus, es gibt eine Dschungel-Sauna und Hängematten zum Relaxen.

In Berlin wird gemunkelt, dass der Westen wieder hip ist. Hat das mit dem neu eröffneten Bikinihaus zu tun?

Werner Aisslinger: Ein gut gemachtes Designhotel kann ein neuer Hotspot sein oder zur Wiederbelebung eines vergessenen Stadtteils führen. Im Fall des Bikinhaus ist das aber nur eine Begleiterscheinung. In Berlin ist die Entwicklung hin zum Westen schon länger zu beobachten. Durch die Gentrifizierung der vor zehn Jahren noch als cool geltenden Stadtteile wie Prenzlauerberg oder auch wegen der vielen Touristen in Kreuzberg besinnen sich viele Berliner wieder zurück auf die alten Bezirke. Der Westen mit Charlottenburg oder Schöneberg ist ein Stück weit verschont geblieben von der Hipsterwelt im Osten. Hier ist alles noch recht authentisch berlinerisch, vielleicht sehnt man sich in der Hauptstadt einfach nach ein bisschen Normalität.

Warum steht das Loftcube jetzt in Graz auf einem Dach und nicht im wilden Berlin?

Werner Aisslinger: Weil die Grazer Hotelfamilie Weitzer es so wollte. Schon 2005 hat man mit der Entscheidung für unsere Entwürfe viel Innovationsvermögen gezeigt. Und jetzt hat man sich eben das Loftcube auf das Dach gesetzt, das macht nicht jeder. Auch nicht in Berlin. Graz ist sehr offen ist für neue Kreativprojekte und spannende Architektur, man muss ich nur einmal das Kunsthaus ansehen oder die Murinsel. Ich finde Graz daher nicht weniger wild als Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

 

KASTEN/INFOS

Eine Nacht im Loftcube:
Übernachten kann man im Loftcube in Graz ab 340 Euro/ die Nacht, allein oder zu zweit. Was man dafür bekommt ist neben einem grandiosem Ausblick über die Stadt, die heuer zur UNESCO Design City 2014 gewählt wurde, auch eine Einrichtung, die keine Wünsche offen lässt. Ein eigens angefertigtes Bett, Dschungel-Feeling in der Raindance-Shower, eine gemütliche Sitzgelegenheit und ein Heimkino-Erlebnis.

 

Mehr Kreationen des Studio Aisslinger in Berlin und Singapor: www.aisslinger.de

 

 

 

 

 

die schroeder
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