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Zeit für China

Im Zuge der China Time Hamburg durfte ich die Sonderveröffentlichung der ZEIT mit vier Texten zu und rund um das Event befüllen. Erschienen am 9. Oktober 2014.
In den Beiträgen geht es um die große Ausstellung Secret Signs in den Deichtorhallen Hamburg, den Hamburg Summit, die Wirtschaft zwischen China und Hamburg als auch das 2012 eröffnete TCM Institut am UKE Eppendorf. Und wer Chinesisch lernen will, findet hierzu auch noch Tipps.

 

China Time

Es ist Zeit für China! Ab dem 4. bis zum 23. November 2014 präsentiert Hamburg über 200 Veranstaltungen rund um die Volksrepublik, darunter auch die Ausstellung Secret Signs in den Deichtorhallen.

Texte von Yvonne Schröder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im Namen der Schrift: Secret Signs aus China

Ab dem 8. November zeigen die Deichtorhallen im Rahmen der China Time Hamburg 2014 zeitgenössiche chinesische Kunst im Zeichen der Kalligraphie
Die meisten Schriften, die heute in der Welt geschrieben werden, sind aus eher pragmatischen Gründen entstanden. In Europa etwa geht man davon aus, dass sich die Schrift aus dem Wunsch, Verwaltung einfacher zu gestalten, entwickelt hat. Der Handel und Vertrieb von Lebensmitteln wie Korn oder Wein wurden so vereinfacht. 

Anders jedoch in China. Dort hat die Schrift einen okkulten Ursprung. Die ältesten chinesischenSchriftfragmente sind Inschriften auf Orakelknochen oder auf Schildkrötenpanzern. Sie wurden eingeritzt, um Kontakt mit der Geisterwelt aufzunehmen.

Vielleicht liegt es ja daran, dass die chinesische Schrift auf westliche Kulturen eine ungebrochene Faszination ausübt: dass sie etwas Mystisches an sich hat. „Und etwas Malerisches“, sagt der chinesische Künstler Shan Fan, der seit nunmehr dreißig Jahren in Hamburg lebt. Er ist Gründungspräsident der Hamburger Brand Academy Hochschule für Design und Kommunikation und Professor für zeitgenössische Kunst, 2006 erhielt er die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Stadt Hamburg. „Jedes Zeichen aus der chinesischen Schrift ist wie ein Bild zu verstehen“, erklärt Shan Fan. „Das Zeichen für Ost etwa ist eine Zeichnung von der Sonne hinter einem Baum, das Zeichen für Gewitter zeigt Regen, der auf ein Reisfeld niedergeht.“ Kunst und Schrift gehen in China seit jeher Hand in Hand, gerade in der zeitgenössischen Kunst spielt die Kalligraphie eine große Rolle.

Shan Fan ist Mit-Initiator der Ausstellung Secret Signs – zeitgenössische chinesische Kunst im Namen der Schrift, die im Rahmen der China Time Hamburg 2014 in den Deichtorhallen gezeigt wird. Die Ausstellung startet am 8. November und ist eine erstmalige Zusammenarbeit der Deichtorhallen Hamburg mit dem M+ Museum Hongkong und der dort beherbergten Sammlung Sigg des Schweizer Unternehmers Uli Sigg, der die meisten Werke bedeutender chinesischer Gegenwartskunst besitzt.

„Uli und ich haben lange über eine Ausstellung zum Thema Schrift gesprochen“, erzählt Shan Fan. „Obwohl die Kalligraphie heute für die zeitgenössiche chinesische Kunst sehr wichtig ist, ist die Secret Signs Ausstellung in ihrer Ausrichtung und Größe bis jetzt weltweit einzigartig.“

Die Kunst von Shan Fan wird auch bei Secret Signs präsentiert. „Die erste der beiden von mir ausgestellten Werkgruppen heißt ‚Malerei des Augenblicks’ und umfasst 140 Zeichnungen. Es ist eine sehr schnelle und expressive Arbeit.“ Der Künstler erstellte dabei eine Serie von Bildern, die Bambus zeigen, und die er mit Tusche auf Reispapier zeichnete. „Da Kalligraphie und Malerei in der chinesischen Tradition den gleichen Ursprung haben, versuche ich zum Beispiel, den Bambus in meinen Bildern so zu malen, wie ich schreibe.“ Der Bambus gilt in China seit jeher als Rückzugsort für Dichter und Denker, er symbolisiert eine Art Schonraum, in dem Kunst entstehen kann.
In der zweiten Serie ‚Kalligraphie der Langsamkeit’ kopierte der Künstler 264 Stunden lang eine 300 Jahre alte Kalligraphie aus der Qing Dynastie. „Bei dem Werk war vor allem aber die Zeiterfahrung wichtig. Das Bewusstmachen des malerischen Prozesses wurde zu einem sehr meditativen Prozess.“

Die 3000 Jahre alte chinesische Kalligraphie wirkte außerhalb des eigenen Kulturkreises schon immer fremd und rätselhaft, zugleich aber auch ebenso schön wie poetisch. Wie unter anderem die Bambusmalerei zeigt, ist sie zudem mit vielen philosophischen und geschichtlichen Hinweisen gespickt. In China jedoch war und ist sie auch heute noch ein Symbol für gesellschaftliche Macht, da sie bis zu Mao Zedongs Schriftreform in den 1950er Jahren nur von Gelehrten beherrscht wurde. In den folgenden Jahren erlebte die Kalligraphie durch große Zeichen-Poster, die von Mao in ganz China zu politischen Zwecken und zur Propaganda eingesetzt wurden, eine enorme Verbreitung. Bis heute befasst sich die zeitgenössiche chinesische Kunst immer wieder mit der Dekonstruktion von Schrift, der Anti-Kalligraphie, um damit gegen deren Kommerzialisierung und Trivialisierung in China zu protestieren.

In den Deichtorhallen in Hamburg, die zu den größten Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst in Europa zählen, werden alle diese Aspekte in Form von Werken aus drei Jahrzehnten chinesischer Avantgarde aufgezeigt. Secret Signs ist am Standort Hamburg-Harburg in der Sammlung Falckenberg zu sehen und vereint zwei- und dreidimensionale Werke in unterschiedlichen Medien wie etwa Schriftkunst, Fotografie, Videoinstallationen und Objektkunst Die Schau beginnt mit Kunst aus den 1980er Jahren und reicht bis zu Arbeiten, die vor kurzem speziell für diese Ausstellung konzipiert wurden. Die über  hundert Werke von 38 chinesischen Künstlern ergeben eine eine spannende Gesamtschau der chinesischen Schrift. Neben den Arbeiten von Shan Fan werden auch Werke von namhaften chinesischen Künstlern wie Gu Wenda, Xu Bing, Qiu Zhijie, Zhang Huan, Wu Shanzhuan oder auch Ai Weiwei, der eigens für die Ausstellung Schriftarbeiten entwickelt hat, zu sehen sein.

„Die Auseinandersetzung mit der scheinbar altmodischen kalligraphischen Tradition ist heute aktueller denn je“, sagt Secret Signs-Kurator Dirk Luckow. „Klassische chinesische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts boomt derzeit und Künstler aus China gehören mit zu den teuersten der Welt. Dabei stehen die kalligraphischen Arbeiten ganz weit oben auf der Liste chinesischer Sammler.“ Die Kalligraphie gehöre zu den kulturellen Ursprüngen Chinas, die es aufgrund seiner immer größer werdenden wirtschaftlichen Rolle in einer globalisierten Welt ein Stück weit zu verlieren seine. Durch die Kunst wird diese alte Kulturform erhalten.

Als besonders starke Arbeiten nennt Shan Fan das Werk von Yuan Gong, der mit den Propagandaschriftzügen der chinesischen Regierung nach dem schweren Erdbeben 2010 in Yushu in der Provinz Sichuan gearbeitet hat. Und auch Xu Bing zeige ein sehr politisches und zugleich poetisches Werk. Der Künstler hat nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 in New York den Staub in der Stadt eingesammelt, diesen mit Wasser vermischt und wieder zu Staub werden lassen. Der Staub wurde auf dem Boden eines Ausstellungsraums verteilt, Xu Bing hat dann darin geschrieben. Der Satz lautet „ Wenn am Anfang Nichts ist – woher kam der Staub?“

„Die Arbeiten, die bei Secret Signs gezeigt werden, machen den Unterschied zwischen chinesischer und europäischer zeitgenössischer Kunst sichtbar“, sagt Shan Fan. Die Methoden seien zwar dieselben. „Die chinesische Kunst ist derzeit jedoch etwas skuriller, grenzüberschreitender und politischer. Also irgendwie wilder.“

Zusätzlich zu den Exponaten wird es zwischen dem Start der Ausstellung am 8. November und ihrem Ende am 8. Februar 2015 ein umfassendes und unterhaltendes Rahmenprogramm geben. Für die Vorlesungsreihe  „Schreiben als Kunst – Kalligraphie in China und im Westen“ im Auditorium im Haus der Photographie sind bis Anfang 2015 sechs Abende vorgesehen, zudem im November zwei Podiumsdikussionen, unter anderem mit Kurator Luckow über den Kunstmarkt in China. Im chinesischen Teehaus „Hamburg Yu Garden“, ein Geschenk der Hamburger Partnerstadt Shanghai, wird es ebenfalls im November einen deutsch-chinesischen Dialog mit dem Titel Chinas Kunst und den Westen geben. Der Schweizer Kunstsammler und Mit-Initiator der Ausstellung, Uli Sigg, wird am 26. November im „Talk im Kulturcafé“ in der Elbphilharmonie Hamburg über die chinesische Kunstszene sprechen. Am 28. und 29. November folgen zwei Konzerte in der Sammlung Falckenberg zu  „Neuer Musik und China“. Für jene, die das Thema chinesische Schrift noch weiter vertiefen wollen, wird es im Januar 2015 zwei Workshops „Kalligraphie global“ geben sowie eine Podiumsdiskussion, die sich dem Thema widmet.

Befragt, was er sich von Secret Signs verspreche, antwortet Künstler Shan Fan: „Die Schau soll die Menschen in Ost und West kulturell zusammenbringen. Der beste Weg dahin führt immer über die Kunst.“ Abgesehen davon erhoffe er sich, dass die Menschen nach dem Betrachten der chinesischen Werke einen Gedanken mit nach Hause nehmen: „Ist das nun Kalligraphie oder Malerei oder beides?“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tor zur Welt: China trifft auf Europa in Hamburg

Die Städtepartnerschaft mit Shanghai, Bildungs- und Austauschprogramme, deutsch-chinesische Kulturveranstaltungen sowie der Hamburg Summit machen die Hansestadt zur Bühne für sino-europäische Beziehungen.

 

Seit 28 Jahren sind Hamburg und Shanghai durch eine Städtepartnerschaft freundschaftlich verbunden. In dieser Zeit wurden viele gemeinsame Feste gefeiert, Kooperationen geschlossen und kultureller Austausch betrieben. Nach Gemeinsamkeiten von Hamburg und Shanghai musste nicht lange gesucht werden: Beides sind Millionenstädte und fungieren mit ihren großen Häfen für das jeweilige Land als ‚Tor zur Welt’, gleichzeitig haben sie sich im Laufe ihrer Geschichte zu internationalen Handelszentren entwickelt. Zudem sind beide Städte Medienzentren und daher auch gesellschaftlich von großer Bedeutung.

Die ersten Kontakte wurden bereits Anfang der 1980er Jahre geknüpft, die Städtepartnerschaftserklärung wurde  dann am 29. Mai 1986 unterzeichnet. Von Beginn an war der Bildungssektor ein wichtiger Motor für den Austausch zwischen beiden Städten: Der erste Schüleraustausch zwischen Shanghai und Hamburg im Jahr 1987 war die erste derartige Aktion, die China überhaupt einging. Schülergruppen aus Hamburg reisen nun seit fast dreißig Jahren nach Shanghai, das ebenfalls jedes Jahr zahlreiche Jugendliche in die Hansemetropole entsendet. Austauschprogramme wie diese sind auch heute noch eine der wichtigsten Säulen der Kooperationen zwischen beiden Metropolen – und bilden nicht zuletzt die Grundlage für viele über Jahre hinweg gewachsene Freundschaften zwischen den Menschen der beiden Städte.

1995 fanden zum ersten Mal die China-Wochen in Hamburg statt, die den Hamburgern das Reich der Mitte noch näher brachten. Auch die Verbindungen der chinesischen mit der deutschen Wirtschaft wurde durch neue Kooperationsideen rund um das Event gestärkt.

Vor zehn Jahren, im Jahr 2004, vereinbarten die beiden Städte dann eine zusätzliche Hafenpartnerschaft, die den deutsch-chinesischen Warenverkehr auf dem Seeweg intensivierte. Zwei Jahre später, im Jahr 2006, wurde gemeinsam das 20-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft gefeiert – gleichzeitig wurde die China Time Hamburg ins Leben gerufen.

Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Hamburger Senats in Kooperation mit der Hamburg Marketing GmbH und findet alle zwei Jahre statt. Sie ist mittlerweile die größte ihrer Art auf dem Gebiet der deutsch-chinesischen Beziehungen und wird in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal ausgerichtet. Start ist am 4. November.
Zwanzig Tage lang bietet die China Time insgesamt über 200 einzelne Programmpunkte, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Vereinen und Kulturinstitutionen enstanden sind, und die Einblicke in die Bereiche Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft, Bildung und Gesundheit gewähren. Mittlerweile gibt es etwa 700 Hamburger Firmen mit Geschäftsverbindungen nach Shanghai, rund 140 dieser Firmen haben in der chinesischen Partnerstadt eine eigene Niederlassung. Mit dem Hamburg Liaison Office Shanghai unterhält die Elbmetropole sogar eine eigene ‚Botschaft’ in Übersee. Das Office ist Anlaufpunkt für Shanghaier Unternehmen, die mit Hamburg in Kontakt treten oder für Hamburger Partner, die in der chinesischen Metropole Fuß fassen wollen. Für beide Seiten stellt das Verbindungsbüro daher gewissermaßen ein Tor zur Welt dar.

Einen Ort für die Kontaktaufnahme zwischen den Wirtschaftsstandorten in Hamburg bietet der ‚Hamburg Summit: China meets Europe’. Die Wirtschaftskonferenz läuft seit sechs Jahren parallel zur China Time und findet dieses Jahr am 10. und 11. Oktober statt. Der Event wurde von der Handelskammer Hamburg als eine Plattform für den offenen und fairen Dialog zwischen Europa und China initiiert. „Wir erwarten dieses Jahr mehr als 500 Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft beim Hamburg Summit“, sagt Jens Aßmann vom Geschäftbereich International der Handelskammer Hamburg. Als Sprecher sind unter anderem der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel, EU-Handelskommissar Karel De Gucht und CEOs führender Unternehmen aus China und Europa mit dabei. „Wir freuen uns auch sehr auf den chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang, dessen Anwesenheit deutlich macht, welchen hohen Stellenwert der Hamburg Summit bei der chinesischen Regierung hat.“ Das liege vor allem auch daran, so Aßmann, dass der Summit eben nicht nur chinesisch-deutsch, sondern auf die Beziehungen zwischen China und ganz Europa ausgerichtet sei. Das erschließe sich schon daraus, dass die Wirtschaftskonferenz in Englisch abgehalten werde, so Aßmann.

Am 10. und 11. Oktober werden neben den chinesischen und deutschen Delegationen auch bis zu zwanzig Abordnungen aus europäischen Staaten erwartet. Inhaltlich wird man sich beim Summit mit den tiefgreifenden Reformbeschlüssen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas aus dem letzten Jahr beschäftigen, die weltweit für großes Aufsehen gesorgt haben. Wie ernst es China mit der Umsetzung der Reformen meint und wo die weiteren Herausforderungen für den chinesischen Reformprozess liegen, werden die wichtigsten Fragen sein, mit denen sich die Konferenzteilnehmer befassen werden.

Ein wirtschaftlich besonders relevantes Thema ist auch die Urbanisierung des Landes. Immer mehr chinesische Dörfer wachsen zu Städten heran, kleine Städtewerden immer weiter vergrößert und Megametropolen werden ausgebaut und verbessert. Ein weiterer Aspekt, auf den sich die chinesischen Reformen beziehen, ist das Thema Nachhaltigkeit. Luftverschmutzung, Lebensmittelqualität oder auch Energiegewinnung sind wichtige Herausforderungen für die chinesische Regierung und Wirtschaft, zu deren Bewältigung deutsche und europäische Unternehmen mit neuen Technologien beitragen könnten. „Dieser Prozess bietet auch für deutsche Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Umweltschutz, Exportwirtschaft und Logistik, große Chancen“, bestätigt Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer Hamburg. „Im Idealfall entstehen beim Hamburg Summit Kontakte, aus denen sich dann am Ende eine Investition oder Zusammenarbeit ergibt“, ergänzt Aßmann.

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr auch jungen Geschäftsführern und Vorständen, Bildungseinrichtungen oder sozialen Organisationen aus Europa und China beim Summit eine Plattform geboten. Beim so genannten Young Leaders Forum kann die nächste Generation über aktuelle Themen der sino-europäischen Beziehungen sprechen und erhält die Möglichkeit, sich mit erfahrenen Unternehmern und Meinungsführen auszutauschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Yin und Yang, denn Gegensätze ziehen sich an!

Nicht nur die chinesische Kultur ist bei den Hamburgern sehr beliebt. Mit dem TCM-Institut hat die Alsterstadt nun auch eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin eingenommen.

 

Das weiße Yang steht in der chinesischen Philosphie für die Eigenschaften hart, männlich, heiß und aktiv. Das schwarze Yin hingegen symbolisiert Ruhe, Weiblichkeit, Kälte und das Weiche. Die beiden Begriffe haben demnach überhaupt nichts gemein und stehen für komplett entgegengesetzte Kräfte.
Das bekannte Yin & Yang-Symbol mit dem Namen Taijitu stellt die beiden Seiten jedoch immer ineinander verschlungen dar, was auf die Idee, dass beide sich ergänzen, hinweist. Yin und Yang nehmen aufeinander Bezug. Das eine ist nicht besser gestellt als das andere, beide benötigen einander, um vollständig zu sein. Auch in unserer westlichen Kultur wird das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ sehr gerne benutzt, gerade wenn es um Liebespaare geht, die nach außen hin nichts gemein haben. Dieser Gedanke, dass allem Geschehen, ob in der Natur oder in der Gesellschaft, eine Spannung nach Yin und Yang innewohnt, ist vor allem auch in der chinesischen Medizin zu finden.

Seit den 1950er Jahren wird der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin, wie sie in Europa bezeichnet wird, auch im westlichen Kulturkreis immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Deutsche Naturkundler und Heilpraktiker verbreiteten ihre Kenntnisse, die sie aus Vietnam oder Japan bezogen, wo die chinesische Medizin schon viel früher als bei uns große Anerkennung fand. Als in den 1970er Jahren dann aufgrund der politischen Öffnung Chinas das Reisen in das Reich der Mitte erleichtert wurde, stieg auch das Interesse an der TCM, genauer gesagt an einer ihrer Teildisziplinen, der Akupunktur. So mancher Europäer, der von der Wunderheilung durch die kleinen Nadeln gehört hatte, stieg ins Flugzeug, um sich direkt vor Ort von seinen Leiden befreien zu lassen.

Eine solche Reise, die sich sicherlich auch wegen der kulturellen Schätze Chinas lohnte, ist zumindest aus gesundheitlicher Sicht heute nicht mehr nötig. Denn mittlerweile hat sich TCM in ganz Europa etabliert, vor allem in Deutschland ist man sehr aufgeschlossen gegenüber den alternativen Behandlungsmethoden. Einer Studie des Allensbach Instituts aus dem Jahr 2005 zufolge würden sich etwa sechzig Prozent der Deutschen im Krankheitsfall durch eine Kombination westlicher Medizin und TCM behandeln lassen. Bei Patienten, die bereits Erfahrungen mit TCM gemacht haben, waren es vor knapp zehn Jahren sogar schon 89 Prozent. Heute wünscht sich die Mehrheit der Deutschen bereits eine Verbindung der westlichen mit der östlichen Medizin. Ein Wunsch, dem viele deutsche Krankenkassen mittlerweile nachkommen, indem sie auch Kosten für TCM-Behandlungen übernehmen.

Hamburg nimmt auf dem Gebiet der TCM seit ein paar Jahren eine Vorreiterrolle ein. Die Hafenmetropole ist seit jeher der chinesischen Kultur gegenüber sehr offen eingestellt, man könnte sogar sagen: Die Hamburger sind China-Begeisterte. Seit 28 Jahren sind sich Hamburg und Shanghai in einer Städtepartnerschaft freundschaftlich verbunden, und das nicht nur, weil die Hansestadt als Chinas Tor nach Europa gilt. Mittlerweile leben über 10.000 Menschen chinesischer Abstammung in Hamburg, mehr als 500 chinesische Firmen sind mittlerweile im Hamburger Handelregister eingetragen, alleine 300 chinesische Restaurants werden hier betrieben. Die Hamburger gehen aber nicht nur gerne chinesisch essen, sondern richten ihre Wohnungen auch gerne nach dem chinesischen Feng-Shui Prinzip ein.

2010 eröffnete das Institut für TCM am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Diese Institution ist die erste ihrer Art in Deutschland und wurde zum Großteil von der HanseMerkur Versicherung gemeinsam mit dem UKE und der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert. Die wichtigsten Ziele sind vor allem die Erforschung der Wirkung als auch die Effizienz der TCM, aber auch die Weiterbildung von Studenten, Ärzten und Therapeuten auf diesem Gebiet.

Viele Pollenallergiker in Deutschland schwören bereits auf das Setzen der feinen Akupunkturnadeln gegen die Symptome ihrer Allergie. Und wer unter besonders starken Verspannungen leidet, ob körperlicher oder seelischer Natur, begibt sich oft gerne in die Hände eines Shiatsumeisters. Der verschreibt keine Tabletten, sondern stellt ganz individuelle Teemischungen zusammen, setzt Akupunkturnadeln , demonstriert hilfreiche Atemtechniken oder entwickelt einen speziellen Ernährungsplan.

Trotz nachweisbarer Erfolge wird TCM von einigen westlichen Schulmedizinern und Institutionen nicht als Therapieform anerkannt. Daher ist eine der wichtigsten Aufgaben im HanseMerkur TCM Institut UKE Eppendorf-Hamburg, die Wirkungen der TCM Methoden wissenschaftlich zu untersuchen.  Zudem entwickeln deutsche und chinesische Ärzte vor Ort Strategien, um die individualisierte TCM in westliche Behandlungskonzepte zu integrieren. Die Idee dahinter: TCM und die westliche Medizin als sich gegenseitig ergänzend zu verstehen. Eben genauso wie bei Yin und Yang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sprechen Sie Chinesisch?

Am Anfang war die Schrift

Wer hat es erfunden, das Papier? In China geht man davon aus, dass es der Chinese Cai Lun war, der noch heute dafür im Land verehrt wird. Auf Papier geschrieben wurde in China bereits um etwa 105 nach Christi, in Europa tauchte das leichte Schreibmaterial hingegen erst im 12. Jahrhundert auf.  Die chinesische Schrift, zu der man etwa 87.000 Schriftzeichen zählt (allerdings werden davon im alltäglichen Gebrauch nur etwa 3000 bis 5000 genutzt) ist rund 3000 Jahren alt. 

Von Bildern zu Zeichen

Im Grunde genommen zeigt die chinesische Schrift Bilder, von denen sich die Bedeutung des Wortes ableiten lässt. Die meisten Wörter sind allerdings eine Kombination unterschiedlicher Bilder. Eines der einfachsten Schriftzeichen ist das für Sonne. Ursprünglich war das Zeichen rund, allerdings hat es sich im Laufe der Zeit in ein rechteckiges Symbol verwandelt, weil sich diese Form mit einem Pinsel besser zeichnen lässt. Das Schriftzeichen für Holz zeigt einen Baum, drei Bäume ergeben wiederum das Wort Wald. Das Zeichen für Osten setzt sich aus dem für Sonne und jenem für Holz zusammen. Die Erklärung dazu lautet: Geht die Sonne hinter einem Baum auf, kann dies nur in der Himmelsrichtung Osten sein.

Die Sprache der Zukunft

Chinesisch gilt als eine der schwersten Sprachen der Welt. Dennoch gibt es gute Gründe dafür, die Herausforderung zu meistern. Chinesisch – genauer gesagt: die offizielle Landessprache Mandarin Chinesisch – entwickelt sich derzeit gemeinsam mit der wirtschaftlichen Macht Chinas zur zweiten Weltsprache neben Englisch. Schon jetzt ist Chinesisch die meist gesprochene Sprache der Welt. Neben den etwa 1,4 Milliarden Einwohnern Chinas (stand 2013), von denen etwa 800-900 Millionen Mandarin beherrschen, gibt es etwa noch einmal 65 Millionen Auslands-Chinesen, die der Sprache ebenso mächtig sind. Lernt man fleißig, kann man sich also am Ende mit knapp einem Fünftel der Weltbevölkerung verständigen. Vor allem für jene, die sich beruflich weiterentwickeln möchten, ist das Erlernen der Sprache zu empfehlen: China ist für die Bundesrepublik nicht nur ein wichtiger Kooperationspartner in wirtschaftlichen Angelegenheiten, sondern auch in puncto kultureller Austausch und politischen Beziehungen. Wer Chinesisch spricht und die Gepflogenheiten des Landes kennt, hat gute Chancen, für international tätige Unternehmen zu einer echten Bereicherung zu werden.

Übung macht den Meister

Sprachschulen, die Chinesisch unterrichten, gibt es in Hamburg viele. Kostenlose Schnupperkurse für Anfänger ohne Vorkenntnisse gibt es etwa am Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg (www.ki-hh.de). Weiterführende Kurse werden an der Volkshochschule Hamburg (www.vhs-hamburg.de) angeboten, und in der Linghan Schule für asiatische Sprachen (www.linghan.de) kann man ganz individuell in Minigruppen lernen.

 

 

DAS TEAM

 

 

 

 

 

 

 

 

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