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Zeit für Beton!

Erschienen am 13. März 2014 in der ZEIT, Thema: Haus der Zukunft / Immobilien / Wirtschaft

Marmor der Moderne
Beton hat sich als Trend im Hausbau etabliert. Außen, innen und auch fürs Mobiliar erlebt der einst ruppige Werkstoff eine Renaissance.

 

‘Hart, kalt und wahnsinnig schwer’ sind Vorurteile aus einer Zeit, in der Beton nur als stabiles Grundmaterial für Gebäude galt, das dann oft hinter Verkleidungen versteckt oder mit Berankungen kaschiert wurde. Doch das Image des Naturprodukts aus Kalkstein oder Ton plus Wasser, Sand oder Kies hat sich radikal gemausert: Grau aus einem Guss gilt als modern, seine unbunte Optik von Maus, Asche, Nebel bis Silber nun als elegant.
Heutzutage werden Küchenarbeitsplatten, Ablagen und Tische im Wohn- und Essbereich oder auch Waschbecken aus Beton hergestellt. Rau und kratzig sind diese ganz und gar nicht, denn durch Schleifen, Polieren oder Wachsen bekommt Beton ein feines Aussehen und eine glatte Haptik, die mitunter an Marmor erinnern. Den klar-kubischen Formen, die anfangs bei Einrichtungsgegenständen dominierten, haben sich nun, mit zunehmender Experimentierfreude der Gestalter, sinnlich-schwungvolle dazugesellt.

 

 

 

 

 

 

 

Dass Mobiliar aus Beton nicht nur lässig, sondern auch edel aussieht, beweisen etwa die Entwürfe des Schweizer Herstellers dade-design. Vorurteile widerlegt man hier mit Fakten: Zum einen sind Küchenarbeitsplatten aus Beton leichter als jene aus Granit oder Mamor, zum anderen macht eine spezielle Beschichtung ihre Oberfläche bis zu 12 Stunden feuchtigkeits- und säureresistent, etwa gegen Rotwein oder Zitronensaft. Gefertigt werden sie fugenlos bis zu 5,20 Meter Länge, mit integrierter Betonspüle und bündigem Kochfeld. Außerdem kreiert das Unternehmen raffinierte Badewannen aus porenfreiem Beton, als freistehende, schwebend anmutende Schale „Wave“ oder als massigerer Quader. Wahre Erleuchtung bringen die handgegossenen Leichtbeton-Lampen von komat, einem Berliner Designstudio. Deren Modelle “Betoon” und “Lina” wirken funktionell und dennoch fragil. Sie sind nur zwei der Accessoires aus Beton, die es im Onlineshop betoniu.com gibt: von Vasen, Streichholzschachteln über Eierbecher bis zu Obstschalen findet sich hier alles aus dem Vielseitigkeitswunder gemachte, was Design-Aficionados gefällt. 

Der Trend zu Beton breitet sich auch als Gestaltungselement im Innenbereich des Hauses aus, als treffend bezeichneter Sichtbeton. Das unprätentiöse Material ist zum beliebten Baustoff der Architekten geworden, die bei der Suche nach einer puristischen Ästhetik auf industrial chic setzen. Sicher auch deshalb, weil sich schlichter Beton mit nahezu allen Materialien perfekt kombinieren lässt. Unverputzte Wände, Treppen und Böden aus Sichtbeton verleihen zudem selbst kleineren Räumen einen loftigen Look.

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch nicht nur ein Coolnessfaktor steckt hinter der neuen Strömung. Beton besteht aus natürlichen, einheimischen Zutaten, was einen weiteren Trend aufgreift: Nachhaltigkeit. Zwar wird bei der Produktion des Bindemittels Zement nach wie vor sehr viel Kohlendioxid freigesetzt (viermal so viel wie durch den weltweiten Flugverkehr 2010), doch hat sich der Umweltschutz bei der Herstellerwerken verbessert. Durch modernere Filteranlagen ist die Staubemission drastisch gesenkt worden, und auch der Energieverbrauch sowie der Ausstoß schädlicher Abgase gingen zurück.

Das Low-tech-Material wurde jedoch nicht nur in seiner Produktion klimafreundlicher, sondern auch zu einem High-tech-Baustoff weiterentwickelt, der unterschiedlichste Anforderungen erfüllt. Es gibt sogenannte selbstverdichtende und Hochleistungs-Betone, die nahezu unzerstörbar sind; Glasfaser- sowie Textilbetone, aus denen hauchdünne Objekte gegossen werden können – ja sogar transluzente Betone, die als Raumteiler ebenso wie als Leuchten geradezu glamourös wirken würden. Selbstreinigende Varianten mit superhydrophilen Oberflächen, dem „Lotus-Effekt“, lassen Fassaden länger makellos bleiben; ‘Isolationsbetone’ wiederum kommen den neuen Anforderungen der Energieeinsparverordnung nach. Eine rasante Entwicklung, die in naher Zukunft sicher auch im Designbereich neue Ideen und Entwürfe beflügeln wird.

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: von dade-design.com

Tipp: Das Berliner Designteam „komat“ zeigt, wie man den neuen Interior-Trend dezent in den eigenen vier Wänden unterbringen kann: Mit den Leichtbeton-Lampen „Lina“ etwa, die fragil und cool von der Decke hängen. Alle Infos unter komat

die schroeder
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