Harpers-Bazaar
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Paris, mon amour

“Ich liebe Sie und umarme Sie leidenschaftlich, Sie, der mein Leben so schön gemacht hat“, schrieb Simone de Beauvoir1939 an Jean-Paul Sartre. Seine Antwort lautete: „Ich habe nie so stark gespürt, dass unser Leben keinen Sinn mehr hat außerhalb unserer Liebe …“ Sartre und Beauvoir zählen heute noch zu den bedeutendsten französischen Paaren. Kaum verwunderlich also, dass Führungen à la „Auf den Spuren von Sartre und Beauvoir durch die Stadt der Liebe“ meist ausgebucht sind. Das macht aber nichts. Es ist sowieso weitaus romantischer,die Originalschauplätze allein oder besser noch zu zweit zu erkunden: Sartre und Beauvoir verkehrten zumeist in den Künstlervierteln Montparnasse und Saint-Germain-des-Prés. Man traf sich mit Freunden in Theatern und Jazzclubs oder zum Philosophieren in Straßencafés. Eines der schönsten Cafés ist das Café de Flore am Place St-Germain-des-Prés. Es war ein Treffpunkt der Boheme und Stammlokal berühmter Literaten und Künstler wie Albert Camus, Ernest Hemingway oder Pablo Picasso. Noch heute verkehren im „Flore“ Intellektuelle und Künstler.Mit etwas Glück schweben sogar Ju-lie Delpy oder Juliette Binoche vor-bei. Ein kleiner Tipp: Insider setzen sich nie auf die Terrasse, sondern ent-weder in den Saal oder noch besser in das diskrete erste Stockwerk. Empfehlenswert ist das klassische Petit-Déjeuner, bestehend aus Croissant,Butter,Marmelade und Café au Lait.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gefrühstückt wird in Paris später als in den meisten anderen europäischen Metropolen. Daher sollte man auch zeitig seinen Kaffee trinken und anschließend zu den Sehenswürdigkeiten aufbrechen. Lange Schlangen vor den Museen bilden sich nämlich oft erst gegen Mittag. Beim ersten Paris-Besuch gehört der Louvre zum Pflichtprogramm. Ist die Enttäuschung über die kleine Mona Lisa (77×53 cm) erst überwunden, widmet man sich am besten den Impressionisten. Nicht unweit des „Flore“ liegt eines der schönsten Museen der Welt:das Musée d’Orsay. In der ehemaligen Bahnhofshalle des Gare d’Orsay finden sich heute Werke von Monet,Manet, Renoir, Toulouse-Lautrec und Degas. Die hier ausgestellten Originale hängen heute als Kunstposter in vielen Wohnungen. Kaum vorstellbar, dass die Impressionisten einst als revolutionäre Künstlergruppe galten. Revolutionäre Strömungen gibt es auch heute noch in Paris – zwar in abgeschwächter Form, dafür umso öfter. Mit „la grève“, dem Streik,kämpfen Franzosen nach wie vor gegen jede Form der Unterdrückung. Es ist also besser, sich in Paris immer schon darauf einzustellen, dass etwa die Métro wieder einmal stillsteht.Dann kann man entweder eine Stunde auf ein Taxi warten oder man nimmt den „Batobus“. Diese über-dachten Linienschiffe pendeln das ganze Jahr über im 15- bis 30-Minuten-Takt auf der Seine. Vom Batobus aus kann man bequem die Sehenswürdigkeiten bewundern. Das Ein-und Aussteigen ist sowohl am „RiveGauche“, dem linken Seineufer, als auch am gegenüberliegenden „RiveDroite“ möglich. Das linke Ufer mit seinen Künstlervierteln und der Universität Sorbonne wird als das „Intellektuellenviertel“ bezeichnet, am rechten Ufer finden sich hauptsächlich Geschäftsviertel. Vom Musée d’Orsay sind es zwei Stationen bis zum ersten Halt am rechten Ufer. In wenigen Minuten gelangt man von hier zur wohl bekanntesten Ladenstraße von Paris: der Rue de Rivoli. Parallel zu der Shoppingmeile, auf der sich vor allem große Modeketten und kleinere bekannte französische Labels angesiedelt haben, verläuft die weniger bekannte Rue Saint Honoré mit kleineren und nobleren Geschäften.

Den wahren Pariser Chic jedoch findet man im wohl ursprünglichsten Viertel von Paris, dem Marais. Im„Quartier chic“, wie es die Pariserinnen und Pariser liebevoll nennen, gibt es viele kleine Geschäfte: Schmuckdesignerläden wie das Metal Pointus, das sogar Hollywoodstars wie Cate Blanchett anlockt, extrava-gante französische Modelabels wie Satellite oder Second-Hand-Shops mit Haute-Couture-Kleidern. Auch die US-amerikanische Kosmetiklinie Kiehl’s, auf deren Produkte Hipster schwören, hat hier einen Ladeneröffnet. Marais ist aber auch das alte jüdische Zentrum von Paris. Ein Spaziergang durch die Rue de Rosiers und ihre alten engen Seitengassen macht das deutlich. Am Sabbat bleiben die meisten Geschäfte geschlossen, dafür bekommt man nirgendwo sonst in Paris so frische leckere Falafel, Bagel oder Matzeknödel. Ob jüdisches Fastfood oder Haute Cuisine, die kulinarische Auswahl inParis ist groß und oft auch kostspielig. Zu beachten sind eigentlich nur zwei Dinge: 1. Nie einen Tisch vor 21 Uhr reservieren (das ist nicht schick) und sich 2. elegant verabschieden, wenn auf der Menükarte keine Preise stehen. Einer der Hotspots ist das Restaurant L’Avenue in der Nähe der Champs-Élysées. Das Starpotenzial ist im Preis (rund 40 bis 50 Euro für den Hauptgang) inbegriffen. Dafür ist Lenny Kravitz zum Dessert keine Seltenheit. Das Restaurant Jules Verne wiederum ist das höchstgelegene der Stadt und wird gleichzeitig auch als das Beste bezeichnet. Es befindet sich im zweiten Stock des Eiffelturms und bietet vor allem am Abend ein besonders romantisches Ambiente.Gäste des Nobelrestaurants müssen sich nicht anstellen, um die Aussicht aus etwa 125 Metern zu genießen, sie fahren mit dem restauranteigenenFahrstuhl. Die Preise sind übrigens ebenso schwindelerregend wie dieHöhe. Möchte man sich den Luxus dennoch gönnen – und zwar ohnevon Jacques, dem Empfangschef,ausgelacht zu werden –, sollte man mindestens drei Monate im Vorhinein reservieren.

Nach einem für unsere Verhältnisse relativ späten Diner hat man in Paris immer noch genügend Zeit, um das Nachtleben auszutesten. Ob man anspruchsvoller Musik in einem der Jazzclubs wie dem Le Duc des Lombards lauscht, sich unter die „Jeuness d’Orrée“ in der Buddha Bar mischt oder bis in die Morgenstunden im Club Le Man Ray darauf wartet, einen der Besitzer, Johnny Depp oder Sean Penn, zu treffen, ist dabei ganz egal. Ausruhen kann man sich am nächsten Tag. Denn zum Glück wird in Paris ja etwas später gefrühstückt als in den meisten anderen europäischen Metropolen …

 

*Beitrag aus dem Jahr 2011 – aus gegebenem Anlass nach wie vor aktuell. Ebenso die Adressen

 


 

 

 

 

 

AUF DEN SPUREN DES SAVOIR-VIVRE DURCH DIE STADT DER LIEBE

Essen & Trinken
Jules Verne. In der zweitenEtage des Eiffelturms –mindestens drei Monate im Vorhinein reservieren. Tel. 0033/(0)1/45 556 144, www.tour-eiffel.fr,
Métro Bir Hakeim
L’Avenue. Der Hot-spot. 41 Avenue Montagne, Tel. 01/40 701 491, Métro Alma-Marceau
Café de Flore. Noch heuteIntellektuellen- und Künstlertreff. Boulevard Saint-Germain, Tel. 01/45 485 526, www.cafe-de-flore.com,
MétroSaint-Germain-des-Prés
Chez Marianne. Koscher und gleich um die Ecke der Ruedes Rosiers im Marais, Rue des Hospitalières Saint-Gervais, Métro Saint-Paul
Kong. Penthouse-Restaurant designed by Philippe Starck. Rue du Pont-Neuf, Tel. 01/40 390 900, www.kong.fr, Métro Pont-Neuf

Paris bei Nacht
Le Man Ray.Bar von Johnny Depp und Sean Penn. 34 Rue Marbeuf, Tel. 01/56 883 636, www.manray.fr
Le Duc des Lombards.KleinerJazzclub mit sehr feiner Jazzmusik, 42 Rue des Lombards,Tel. 01/42 332 288, www.ducdeslombards.com

Shopping
Satellite.23 Rue des FrancsBourgeois, Tel. 01/40 294 577, www.satelliteparis.com
Kiehl’s. Kosmetik & Pflege. 15 Rue des Bourgeois, Tel. 01/42 787 011, www.kiehls.com
Metal Pointus. ExtravaganterSchmuck, 19 Rue des FrancsBourgeois, Tel. 01/40 294 434, www.metalpointus.com
Culotte. Einzelstücke vonMode & Accessoires, 7 Rue Malher, Tel. 01/42 715 889, www.poidsnetparis.com
Galeries Lafayette. Konsumpalast mit gewaltiger Glaskuppel.40 Boulevard Haussmann, www.galerieslafayette.com
Printemps. Das Sortiment reicht von erschwinglich bis Chanel. 64 Boulevard Haussmann, www.printemps.com 

 

 

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