df68243901d987df931e38f995fe99dd
0
In aller Munde

Suppenfasten liegt im Trend. Wie man mit den flüssigen Energiespendern zu innerer Harmonie gelangt und warum die sättigende Kur besonders schonend ist.

„Durch warme Speisen kann der Magen auf „Betriebstemperatur“ gebracht werden“, hielt die Visionärin der Heilmedizin, Hildegard von Bingen, bereits im 12. Jahrhundert in einer ihrer Schriften über das „Heilsame Essen und Trinken“ fest. „Zu viele kalte Speisen schaden zusätzlich dem Magen über den ganzen Tag.“
Die Lehren zum Einklang von Körper, Seele und Geist der Heiligen Nonne, die in der Nähe von Bingen ein Kloster gründete, dienen vielen Menschen seit über 800 Jahren als Wegweiser für ein gesünderes Leben. Abgesehen davon erleben traditionelle Weisheiten zur Ernährung und Gesundheit seit einigen Jahren wieder ein Comeback. Zum einen, weil wir in unserer heutigen stressigen Zeit vermehrt nach Möglichkeiten Ausschau halten, die uns Harmonie und innere Ausgeglichenheit versprechen. Zum anderen aber auch, weil wir erkannt haben, dass kurzlebige Trends, die schnelle Heilung oder mehr Energie versprechen, auf Dauer nicht gesundheitsfördernd sind.

„Meist lassen wir uns heute vom Allgemeinmediziner behandeln, suchen aber zusätzlich wieder nach altbewährten Möglichkeiten, um das Wohlbefinden zu steigern“, sagt Ernährungswissenschaftler Ralf Moll. „Das Fasten etwa ist ein effektives Verfahren, um den Körper zu entgiften, Geist und Seele zu stärken und neue Energie zu tanken.“ Die wohl bekanntesten Methoden sind das Saftfasten nach Buchinger, das Heilfasten nach Meyer oder die von Johann Schroth entwickelte Kur, bei der man auch Alkohol zu sich nehmen darf. Die meisten Fastenden fühlen sich bei diesen Kuren fit und erleben bei der inneren Reinigung und Entschlackung durch die Ausschüttung von Glückshormonen emotionale Hochgefühle. „Es gibt aber auch jene, die sich durch die enthaltsame Ernährung und durch die Umstellung geschwächt fühlen und oft frieren, da der Blutzucker in den Keller fällt“, erklärt Moll. Aus diesem Grund hat er vor rund 15 Jahren die so genannte Typenmedizin der Entsäuerung entwickelt, kurz das Typenfasten. Diese geht individuell auf die Bedürfnisse der Fastenden ein und unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Individuen: den Hitze- und den Kältetyp.

„Beim herkömmlichen Fasten, wie etwa nach Buchinger, nimmt man nur Wasser, Tee oder Brühe zu sich“, sagt der Fastenexperte. Das würde sehr gut für die so genannten Hitzetypen funktionieren, welche man vor allem daran erkenne, dass ihnen meist warm ist, sie oft Verlangen nach kühlen Getränken haben und gut durchblutete, also rote Lippen, haben. „Jene, die zu kalten Händen und Füßen neigen und beim Fasten eher blass aussehen, bezeichnen wir als Kältetypen. Sie haben während der herkömmlichen Kuren oft Kreislaufbeschwerden und fühlen sich schlapp. Für sie haben wir das Suppenfasten erfunden.“

Suppen sind schnelle Energiespender und sind schonend für den Magen, vor allem weil sie warm gegessen werden. Für den Verdauungsprozess müssen Speisen auf Körpertemperatur, etwa 36 Grad Celsius, gebracht werden. Für eine warme Suppe braucht er also keine zusätzliche Energie aufbringen. Durch das Kochen der Inhaltsstoffe kommt die für den Magen wie ein bereits vor-verdauter Speisebrei daher, direkt Energie spendet. Zudem füllen Suppen die Flüssigkeitsdepots. Sie bleiben länger im Magen und stehen dem Körper daher länger zur Verfügung als zum Beispiel Saft, der schneller wieder ausgeschieden wird und dabei noch Energie nimmt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die heiße Mahlzeit im Gegensatz zu anderen warmen Lebensmitteln langsam gelöffelt wird, was dem Sättigungssignal im Gehirn positiv entgegen kommt. Dieses wird nämlich meist erst 15 Minuten nach dem ersten Schluck ausgesendet. Kurz: Man ist gewärmt, verbraucht kaum Energie und satt – und das nach dem Suppenfastenplan am besten drei Mal am Tag.

„Morgens startet man etwa mit einer warmen Hafersuppe, die man mit Gemüsebrühe aufschüttet oder mit einer Fruchtsuppe mit eingelegten Trockenfrüchten“, gibt Moll in seinem Buch „Suppenfasten“ an. Mittags und abends kann man dann wählen aus vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen und Zutaten. Je nach Gusto können Gemüse und Obst püriert und miteinander gemixt  werden, von Fenchel-Mango über Apfel-Wirsing bis hin zu Paprika-Tomaten Kreationen. „Gerade für den Kältetyp empfehlen wir dazu Gewürze wie Ingwer, Chilli, schwarzen Pfeffer oder Kreuzkümmel, weil diesen eine wärmende Wirkung nachgesagt wird“, so der Suppencoach. „Zudem regen sie die Verdauung an.“ Natürlich müssen zusätzlich auch noch Tee und Wasser in ausreichender Menge getrunken werden, um die natürliche Entschlackung und die Entgiftung des Körpers positiv zu beeinflussen.

Fast ganz ohne Hungern kann man sich so in wenigen Tagen ein paar Kilos weglöffeln. Frauen verlieren beim Suppenfasten in einer Woche etwa 3 bis 4 Kilo, Männern 5 bis 6 Kilo Gewicht. „Insgesamt sollte die Kur nicht länger als 10 Tage durchgeführt werden“, sagt Moll. „Denn auch diese Fastenmethode ist keine Diät.“ Im Idealfall ist die Suppenkur der Start für eine langfristige Ernährungsumstellung in Richtung gesundes, maßvolles Essen. Denn gerade in stressigen Zeiten, in denen wir viel Energie benötigen, gilt bei der Nahrungszufuhr: Weniger ist mehr. Das wusste auch schon Hildegard von Bingen, als sie in ihren Schriften festhielt: „Wenn der Magen zu viele Speisen und Getränke bekommt, verursachen sie im ganzen Leibe einen Sturm der Säfte. Und das geht an die Nerven.“

 

Informationen zum Suppenfasten und dem gleichnamigen Buch unter: www.typfasten.de

* Dieser Artikel erschien im Magazin von Sonnentor “Freude” zum Thema SUPPE, http://www.sonnentor.com

die schroeder
Website
Your Name Email Website


nine + = 12