Diesel Küche "Sucessful Living" ab 2013
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Möbel in Mode

Sie klingen nicht gerade nach Wien, die Namen der Einrichtungsgegenstände von Wolfgang Joop, die er exklusiv für die Neue Wiener Werkstätte entworfen hat. Auch wenn der deutsche Modedesigner die limitierten Stücke als seine „Wiener Linie“ bezeichnet, heißt das Bett doch „Brooklyn“, die Beistelltische hören auf den Namen „Soho“ und der Paravant trägt den Namen „Manhatten“. Die Namen sind auf eine kosmopolite Käuferschaft zugeschnitten, bei der die New Yorker Stadtteile, wahrscheinlich besser ankommen als Bezirksbezeichnungen wie „Grinzing“ oder „Rudolfsheim-Fünfhaus“.
Das Design seiner Sitzmöbel Harlem, also Sofa, Sessel und Hocker, beschreibt der deutsche Designer wie folgt: „Die Grundidee zu meiner ersten Polstermöbelkollektion bezieht sich auf die Form einer Muschel, die in ihrer Ästhetik auch die Funktion des Beschützens hat.“ Das Motto sei in erster Linie Geborgenheit. Als nächstes kommt dann aber auch schon die Mode. Für den 68-Jährigen sind Möbel auch Mode. Möbel seien der Mode sogar unterworfen, meinte er bei der Präsentation seiner Möbellinie für die Neue Wiener Werkstätte im März 2011 in Wien. Sonst könne man Möbel ja auch nicht an unterschiedlichen Epochen festmachen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass Mobiliar und Mode zusammengehören, dieser Idee folgten in den letzten zwei Jahrzehnten schon mehrere Kreative, man prägte sogar ein Modewort dazu: brand extension, also die Ausweitung der Marke auf neue Geschäftsfelder. Früher ging man davon aus, dass die Mode nur den aktuellen Trends folge, die Möbeldesigner hingegen Stücke erschaffen sollten, die langfristig zu nutzen seien. Mittlerweile ist die Möbelindustrie sehr stark modischen Strömungen ausgeliefert, was man ganz stark am Trend des „Colourblocking“, der im Sommer 2010 auf allen Straßen der Modemetropolen zu sehen war, festmachen kann. Nur zwei Jahre später zogen die Knallfarben als Sofas, Kissen oder Tapeten in die eigenen vier Wände sein. Die Mode hingegen beruft sich in vielen Bereichen wieder auf die Klassiker und kopiert Basics aus jedem Jahrzehnt der letzten hundert Jahre. Ein Hauptgrund für die Verknüpfung der beiden Welten ist jedoch, dass der Living-Bereich einen sehr lukrativen Wirtschaftszweig darstellt. Für die Modehäuser, die somit neue Geschäftswelten erobern – aber auch die Möbelhersteller, die sich in der Zusammenarbeit mit den schillernden Stars eine Aufwertung ihrer eigenen Marke versprechen.

Gianni Versace etwa war einer der ersten, der auf den Möbelwagen aufsprang. Die üppig verzierten Goldrandteller mit dem Medusenhaupt waren für das Unternehmen eine große, wenn auch nicht beabsichtigte Kampagne. Die Homekollektion des Design-Labels Versace Home, 1992 ins Leben gerufen, erlebte einen wahren Hype. Wohnaccessoiers wie etwa das Geschirr (von Rosenthal), Fliesen für Wand und Boden (Versace Ceramic Design, gefertigt von Gardenia Orchidea) aber auch die opulenten Teppiche, Sessel, Betten und Sofas waren danach in vielen Wohnungen neureicher Großstädter zu finden. Die Preispolitik der Luxuswohngegenstände, ebenso abgehoben wie die Namensgebung, lehnte sich an den Markennamen. Für Einsteiger: Die Barocco Dessertschale kostet um 68 Euro, ein Sessel liegt bei etwa 2.000 Euro.

Neben Versace entdeckte ein weiterer Italiener recht früh das Potential des Möbeldesigns für sich: Georgio Armani gründete im Jahr 2000 seine Linie „Armani Casa“. Im Gegensatz zum üppigen, lauten Stil seines Kollegen setzte Armani auf seine eigene Philosophie: Schlichtheit und Eleganz. Die zeitlosen und gefälligeren Stücke von Armani Casa spiegeln die traditionelle Idee des Möbeldesign wider, nämlich dass die Einrichtung lange währen soll, man sich also nicht so schnell an ihr satt sieht. Eine Aspekt, der dem Unternehmen bis heute großen Erfolg auf diesem Gebiet bescherte. Die Armani Gruppe gehört mittlerweile zu den führenden Möbel-Designern in Europa. In den letzten Jahren konzentrierte man sich zudem auf komplette Interieur Lösungen für Küche und Badezimmer, kurz: Luxus für das ganze Haus. Ein Service, den die gut situierte Kundschaft zu schätzen weiß.

 

Seinen Stil beschreibt Armani selbst als eine Mischung aus einem bisschen Retro mit modernem Beigeschmack. Die Farben sind klassisch gehalten, viel Beige, dunkles Holz und Silber erinnern an das Art Deco. Alle Interior-Elemente lassen sich hervorragend miteinander kombinieren, Brüche sind in der Armani-Welt nicht gefragt. Harmonie ist das oberste Gesetzt, was so viel bedeutet, wie dass die Bordüre des Vorhangs das zart-beige Muster des Teppichs aufgreift, der wiederum farblich zum Sofabezug passt wie auch zum Lampenschirm.
Allerdings hat man sich im Wohnbereich in den letzten Jahren ein wenig gelöst von komplett in einem Stil durchdeklinierten Räumen. Die Gesamtlösung im Stile der 1990er Jahre wird meist nur mehr in Zimmern von Hotels eingesetzt (siehe Kasten) oder auch noch von Modedesigner Karl Lagerfeld, der sich ein Hobby daraus gemacht hat gleich ganze Wohnungen von Freunden oder vermögenden Auftraggebern, vornehmlich in Hamburg, in seinem puristischen Stil einzurichten.

Vor einigen Jahren hat der Designermöbelhandel den Deko-Bereich für sich entdeckt. Für alle, die sich das Nobelsofa nicht leisten können, gibt es ein großes Angebot an schicken Home-Accessoires – ein wirtschaftlicher Schachzug, den man sich aus der Welt der Kleidung abgeschaut hat. Besonders beliebt im Einrichtungsbereich sind die Heimtextilien. Auch wenn der Name nicht sehr sexy klingt weil er nach wie vor an Großmutters Spitzendeckchenunterlagen erinnert, mit dem richtigen Muster oder Label versehen, versprühen die Stoffe für Zuhause ganz schnell schon einmal Luxus in den eigenen vier Wänden. Für viele Modedesigner war das Design von Heimtextilien oder Stoffen für Polstermöbel der Einstieg in die Wohnwelt. Wolfgang Joop bietet nach wie vor unter dem Namen Joop Living schicke Handtücher, Badematten oder Bettwäsche an. US-Labels wie Calvin Klein oder Ralph Lauren bedienen erfolgreich den eigenen Heimatmarkt mit mit Handtüchern, Tisch- und Bettwäsche.

Die Spitzenreiter auf diesem Gebiet finden sich jedoch wieder in Italien. Das italienische Modeunternehmen Missoni, das 1953 mit der Produktion von Strickwaren startete, brachte sein Knowhow sehr früh in die Kreation von Möbelstoffen ein. 1983 wurde die Missoni Home Collection eingeführt. Die unverkennbaren Streifen- und bunten Zickzack-Musterstoffe sind ganz besonders beliebt als modisches Accessoire für die Wohnung, etwa als Kissen oder Plaids. Oft in Kombination mit einem ebenso einprägsamen Muster, das wiederum die Familie Etro ihr Eigen nennen kann: Markenzeichen des 1968 als Exklusiv-Weberei gegründeten Familienunternehmens ist das Paisley-Muster. Besonders beliebt sind die feinen Etro-Cashmere-Decken, die dann oft neben einem Missoni-Kissen auf der herrschaftlichen Couch ruhen.

„Wenn Möbelhersteller mit Modedesignern zusammenarbeiten finden sich viele Trends und Details aus dem Modedesign auch im anderen Bereich wider. So wie auch aus der Mode bekannte Materialien oder Verarbeitungsdetails“, erklärt Stefan Polzhofer, CEO der Neuen Wiener Werkstätte. „Das können verschiedene Stoffe sein, wie zum Beispiel Loden oder auch akzentuierte Nähte bei Polstermöbeln. Die Grundidee, ein Möbelstück „anzuziehen“ hatte etwa Wolfgang Joop bei den Sitzmöbeln „Harlem“: Die Füße werden je nach Wunsch in Holz oder Lackausführung gefertigt, können aber auch mit dem zum Modell passenden Leder oder Stoff überzogen werden.“

Die Beeinflussung funktioniert seit einigen Jahren aber auch in die umgekehrte Richtung. Nicht nur die Ideen der Bekleidungsindustrie finden sich in der Inneneinrichtung wider, bewährtes Möbeldesign wird auch von Modelabels aufgegriffen. So hat das französische Modehaus Hermés im letzten Jahr einzigartiges Mobiliar herausgebracht, das auf die Entwürfe des Star-Möbeldesigners und Innendekorateurs Jean-Michel Frank zurückgeht. Frank arbeitete in den 1930er Jahren in Paris, New York und Südamerika und war bekannt dafür, dass er den Plüsch und die Ornamente aus den Apartments der Reichen und Schönen verbannte. Er setzte auf klare Linien, minimalistische Elemente und außergewöhnliche Materialien in Verbindung mit edlen Hölzern. Das Leder für die Sitzgelegenheiten ließ er schon damals bei Hermès zuschneiden und verarbeiten. Die aktuellen Stücke, fünfzehn an der Zahl, erinnern an die frühen Entwürfe von Frank, wurden aber komplett neu interpretiert und auf die modernen Bedürfnisse großbürgerlicher Großstädter angepasst. Es gibt einen Sessel, den „Comfortable Club Chair“, einen Esstisch mit den passenden Stühlen, einen Paravant, eine Schminkkommode, dessen Schubladen mit Ziegenfell ausgelegt sind, Beistelltische sowie ein durchdachtes Schränkchen, das „Cupboard of Secrets“. Zu begutachten sind die guten Stücke – bei denen allein ein Fauteuil schon 17.000 Euro kostet – in Paris in einem eigens eingerichteten Schauraum aber auch im Hermès-Shop in Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weniger teuer aber ebenso an das Knowhow von Möbelexperten angelehnt, sind die frischen Möbelkollektionen des italienischen Jeanslabels Diesel. Im letzten Jahr stellte der Bekleidungskonzern seine Home Collection vor. Der Name scheint Programm: „Sucessful Living from Diesel“ ist bei urbanen Trendsettern sehr beliebt und hat sich schnell als ernstzunehmende Einrichtungsmarke etabliert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das liegt zum einen sicherlich am hippen Design, das ebenso unprätentiös ist wie die coolen Markenjeans selbst. Ein wenig Vintage, ein bisschen Laissez-faire gepaart mit witzigen Ideen, wie etwa einem Beistelltisch, der an einen DJ-Pult erinnert. Allerdings legt man bei Diesel auch großen Wert auf Funktionalität und die Verarbeitung. Für die Umsetzung der einzelnen Stücke holt man sich Kooperationspartner aus dem Möbelbereich, wie etwa Foscarini (für die Leuchten), Moroso (als Möbelpartner) oder Scavolini (für die Küchen). Nicht zu vergessen das Image – deshalb ist die Küche eine „Social Kitchen“ und als Partyraum konzipiert.

„Diesel will nicht auf den typischen „Rock-Spirit“ verzichten. Auch im Wohnbereich spielt immer die Rebellion gegen das Dagewesene eine Rolle“, erklärt Diesel-Chef Renzo Rosso. Die Diesel Party-Küche wird 2013 auf den Markt kommen und bei Prodomo Wien erhältlich sein. Einen Preis gibt es noch nicht, doch auch hier wird sich der Name ins Budget schlagen: Sofas von Diesel kosten etwa 4000 Euro, Tischleuchten um 190 Euro.

Zukunftsweisend im Hinblick auf die Zusammenarbeit von Mode- mit Möbeldesignern ist das Co-Branding von Artemide und Issey Miyake. Der Beleuchtungsexperte hat sich den japanischen Modemeister, der für seine Papierfalttechnik bekannt ist, für eine neue Lampenkollektion an Bord geholt. Die Konzeption und Technologie der neuartigen Lichtspender beruht auf dem im Jahre 2010 vom Miyake Design Studio entwickelten Projekt „132 5. ISSEY MIYAKE“, ein 3D-Geometrie-Mathematikprogramm zur Herstellung von Kleidung. Das Ergebnis war damals ein Kleidungsstück aus einem Stück Stoff, das sowohl flach gefaltet werden, als auch dreidimensionale Formen annehmen kann. Dieses Verfahren wurde nun auf die Herstellung der Lampenschirme umgelegt. Zu begutachten sind die Steh-, Tisch- und Pendelleuchten im extra dafür neu gestalteten Showroom in der Gonzagagasse 1 am Morzinplatz im Ersten Bezirk in Wien. Alle Lampen sind aus einer recyclebaren Faser gefertigt, die aus PET-Flaschen hergestellt wird. Der Nachhaltigkeitsaspekt wird zudem durch den leichten Transport gewährt, da die Lampen kaum etwas wiegen und durch die Faltung extrem rumsparend befördert werden können. Artemide-Chef Ernesto Gismondi fasst die Gemeinschaftsarbeit mit Miyake erstaunlich pathetisch zusammen: „Wenn du sie siehst, wirst du gerührt sein; wenn du sie verstehst, wirst du die Zukunft sehen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TIPP:

Nächtigen im Designerhimmel
Hotels & Suiten der Modemacher 

Lena Hoschek Suite im Hotel Altstadt Wien, Österreich

Die österreichische Modedesignerin hat eine Suite im Hotel Altstadt Vienna, direkt am Spittelberg gelegen, designt. Der Stil: Ebenso wie ihre Mode – opulent, floral und viele nostalgische Elemente. Preis für eine Nacht ab 195 € (Single-Nutzung), www.altstadt.at

Bulgari Hotel in London, UK

Zwei Fünf-Sterne-Residenzen hat die Luxusmarke bereits eröffnet (Mailand und Bali). Seit Juni 2012 kann man sich nun auch in der britischen Hauptstadt in BVLGARI betten, samt Blick auf den Hyde Park und auf das Luxus-Kaufhaus “Harrods”. Das Interieur wurde vom hauseigenen Designteam gestaltet. Viel Marmor, Silber und Ornamente. Preis für eine Nacht ab etwa 500 € (je nach Saison), www.bulgarihotels.com

Armani Hotel in Mailand, Italien

Das Hotel in der italienischen Modemetropole ist nach Dubai der zweite Standort für ein Labelhotel von Armani. Die Inneneinrichtung, wie man sie sich vorstellt: Sehr puristisch, sehr edel – zum Großteil aus der Armani Casa Kollektion. Preis ab etwa 250 €/Nacht (je nach Saison) www.armanihotels.com

Missoni Hotel in Kuwait, Asien

Das Modelabel Missoni hat 2011 ein Hotel in Kuwait eröffnet, das erste befindet sich in Edinburgh, Schottland. Jedes Zimmer wurde in dem farbenfrohen Stil von Missoni eingerichtet, viele bunte Kissen, Decken, Gold, Mosaike, ein großer Wellnessbereich und eine wunderschöne Aussicht auf den Persischen Golf. Ab 260 €/Nacht, www.hotelmissoni.com

25 hours Hotel by Levi’s, Frankfurt a.M., Deutschland

Ein Hotel im Levis’ Jeans-Stil eingerichtet. Die Badezimmer in Denim-Blau, jede Etage in einem Dekor aus einer anderen Zeit. Eine Spezialität im Restaurant: Die auf heißen Steinen gebackenen Burger. Extra: Ein Musikproberaum. Um 80 Euro pro Person, www.25hours-hotels.com

 

 

die schroeder
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