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Wunschbaby oder Baby auf Wunsch

MUTTERGLÜCK IM REAGENZGLAS

Es soll Frauen geben, die schon schwanger werden, wenn sie nur ihre Zahnbürste neben die eines Mannes stellen. „Ich gehöre nicht dazu“, sagt Katharina S. „aber der Grund, dass ich mit 38 Jahren noch kinderlos bin, ist nicht der, dass ich keine Kinder bekommen kann. Es liegt eher daran, dass meine letzten drei Lebensabschnitts­gefährten noch nicht einmal eine Zahnbürste bei mir deponiert hatten.“ Die 38-jährige hat die meiste Zeit ihres Lebens in ihre Karriere investiert. Mit Erfolg. Sie ist Pressesprecherin eines großen österreichischen Unternehmens und verdient mehr als die meisten ihrer Exfreunde. „Meine biologische Uhr tickt und ich möchte auf jeden Fall ein Kind, bevor es zu spät ist“, sagt sie und stellt den kleinen Koffer auf die Gepäckwaage des Check-In Counters. Viel braucht sie nicht auf ihrer Reise, vor allem bequeme Sachen, ein Nachthemd, ein paar Bücher. Für sie und viele andere gleichaltrige Frauen ist es ist kurz vor zwölf. Zeit zum Boarding. Katharina S. fliegt nach Kopenhagen, um sich künstlich befruchten zu lassen.

Assistierte Reproduktion, umgangssprachlich künstliche Befruchtung, so lautet der Begriff, der den medizinischen Eingriff zur Herbeiführung einer Schwangerschaft  beschreibt. Unterschieden wird in zwei Methoden: Die Intrauterine Insemination, kurz IUI, bei der die beweglichen Spermienzellen des Mannes mittels eines Katheters direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht werden – sowie die In-vitro-Fertilisation, kurz IVF, bei der die Spermien des Mannes in einem Reagenzglas den Weg zu den Eizellen finden. Befruchtete Eizellen können und werden in Österreich bis zu 5 Tage nach der Befruchtung kultiviert und dann in die Gebärmutter eingesetzt. Den meisten Behandlungen liegt eine Hormonbehandlung der Frauen zugrunde, die den Eierstock dazu anregt, Eibläschen (Follikel) zu bilden und Eizellen zur Reifung zu bringen. „Die Behandlungsdauer beträgt 10 bis 14 Tage bis zur Punktion, 5 bis 6 Tage bis zum Transfer und dann 10 bis 14 Tage bis zur Überprüfung, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist“, erklärt Ludwig Wildt, Direktor der Univ.Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Innsbruck das Prozedere. Seit 1. Jänner 2000 können aus dem aus Mitteln des Familienlastenausgleichsfonds und der Sozialversicherung gespeisten IVF-Fonds 70 Prozent der Kosten einer IFV oder einer ICSI bezahlt werden. Allerdings reicht meistens nicht nur eine Behandlung, um ans Ziel zu kommen – übernommen werden in Österreich pro Frau maximal vier Versuche. „Die Kosten betragen mit Medikamenten etwa 3000 Euro, die Erfolgsrate liegt bei etwa 30 Prozent.“ Nicht billig und mit noch nicht einmal einer Aussicht auf Erfolg von etwa einem Drittel auch nicht gerade sehr vielversprechend. Dennoch wurden in den letzten Jahren etwa 1.500 Babys durch künstliche Befruchtung in Österreich gezeugt. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich aber höher. Denn in Österreich dürfen nur (Ehe-)Paare auf diese Methoden zurückgreifen.

1978 kam Louise Joy Brown, das erste durch künstliche Befruchtung gezeugte Baby, im englischen Oldham bei Manchaster zur Welt. 1982 folgte das erste IVF-Baby in Österreich, Zlatan Jovanovics. Österreich war weltweit das sechste Land, in dem ein Baby im Reagenzglas gezeugt wurde. Bis 2006 wurden weltweit etwa drei Millionen Babys auf diese Weise geboren. In Deutschland sind in den letzten Jahren etwa 2 Prozent der Babys durch künstliche Befruchtung entstanden, in Dänemark liegt der Prozentsatz mit 3,9 Prozent etwa doppelt so hoch. Die meisten künstlichen Befruchtungen pro Kopf werden übrigens in Israel durchgeführt. Dort kann sich jede Single-Frau kostenlos mit anonymem Sperma ihren Kinderwunsch erfüllen lassen.

In Österreich und Deutschland ist künstliche Befruchtung laut Gesetz nur Verheirateten oder heterosexuellen Paaren erlaubt. Paare ohne Trauschein müssen sich ihre Lebensgemeinschaft vom Gericht oder Notar bestätigen lassen. Frauen dürfen nicht älter sein als 40 Jahre, der Mann darf das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Singlefrauen oder Frauen, die in lesbischen Beziehungen leben können keine künstliche Befruchtung durchführen lassen.

Das gesetzliche Verbot wird vor allem mit konservativen Begründungen, wie etwa dass das Kind zwei unterschiedliche geschlechtliche Vorbilder zum Aufwachsen braucht, gestützt. Ein anderes Argument ist aber auch, dass die Vaterschaft des Samenspenders gesetzlich mit Unterhaltszahlungen in Verbindung steht.
Die Frage, ob es trotz des gesetzlichen Verbots Möglichkeiten für Single-Frauen zur künstlichen Befruchtung in Österreich gibt, verneint Ludwig Wildt. „Rein legal gibt es diese Möglichkeit in Österreich nicht. Es gibt aber Ärzte, die eine Vorbehandlung mit Medikamenten übernehmen, die künstliche Befruchtung lassen die Frauen dann im Ausland vornehmen.“

Katharina S. braucht keine hormonelle Vorbehandlung. Sie sitzt im Flugzeug auf dem Weg zu Vitanova, einer Fertilitätsklinik für Paare und Singles in Kopenhagen, am Abend fliegt sie wieder zurück. „Unser Ziel ist es durch Engagement, Beratung und Unterstützung den bestmöglichen Rahmen für Alle, die einen Kinderwunsch haben, zu schaffen“, lautet der erste Satz auf der in hellblau mit gelben Blumen dekorierten Homepage der Klinik, die in Englisch, Schwedisch, Deutsch, Italienisch und Französisch abrufbar ist. Bei Vitanova ist man eingestellt auf den Besuch aus dem Ausland. „Etwa 80 Prozent unserer Kundinnen kommen aus dem Ausland, allein aus dem Grund weil sie bei uns problemlos eine Befruchtung mit Fremdsamen durchführen lassen können“, sagt Anette Weinreich, Mitgründerin von Vitanova. „Die meisten Frauen kommen aus Deutschland, aber mehr und mehr reisen auch Frauen aus Österreich an. Aber auch aus Italien und Frankreich haben wir Kundinnen.“ Die Singlefrauen, die zur künstlichen Befruchtung nach Kopenhagen reisen sind zum Großteil zwischen 38 und 45 Jahre alt. In Dänemark ist das gesetzliche Höchstalter für einen solchen Eingriff 5 Jahre höher als in Österreich.

Länder wie Dänemark oder Belgien erleben seit einigen Jahren einen Befruchtungstourismus-Boom, vor allem von Singlefrauen über dreißig. Das Statistische Bundesamt in Deutschland berichtet, dass im Jahr 2004 die meisten Kinder von 30 bis 34-jährigen Müttern geboren wurden. 1994 waren es noch die 25 bis 29-jährigen Mütter. 2002 präsentierte Dr. Clare Murray von der Universität in London auf dem Kongress der „Europäischen Gesellschaft für Human-Reproduktion und Ebryologie“ (ESHRE) in Wien, dass mehr als zwei Drittel der alleinstehenden Frauen, die sich den Kinderwunsch durch eine Samenbank erfüllen, dies nicht aus Fruchtbarkeitsproblemen tun, sondern aus der Angst heraus, keinen Partner zur Familiengründung mehr zu finden.

„Für eine Insimination kann man morgens an und abends wieder abreisen. Ab Sommer führen wir auch In-Vitro-Eingriffe durch, dafür muss man dann zwei oder drei Tage rechnen“, sagt die Klinik-Direktorin. Die Frage, warum der Eingriff so schnell geht beantwortet sie wie folgt: „Die Frauen, die zu uns kommen sind meistens vollkommen gesund. Sie brauchen keine Hormonbehandlung vorab, um genügend Eizellen zu bilden. Das einzige was ihnen fehlt ist der passende Partner.“ Eine Insimation- Behandlung mit einem Versuch kostet bei Vitanova umgerechnet 560 Euro. Ein In-Vitro-Paket mit drei Versuchen liegt bei 3.360 Euro.

Dass die steigende Nachfrage das Angebot, also in diesem Fall die Gesetzgebung beeinflussen wird ist möglich. „Allerdings ist es sehr schwer abzuschätzen, wann das der Fall sein wird“, sagt Ludwig Wildt. „Eine einheitliche Regelung für ganz Europa wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Generell gilt für deutschsprachige Länder sogar eher die Tendenz zu verstärkten Restriktionen im Bereich der Fortpflanzungsmedizin. Das hat auch mit unserer Geschichte zu tun. So verweist man bei der Besprechung von Embryonengesetzen bei uns immer wieder auf die Selektion und Rassenlehre im „Dritten Reich“. Wobei die künstliche Auslese bei der künstlichen Befruchtung rein statistisch überhaupt keine Rolle spielt.“

Die Zukunft der Reproduktionsmedizin sieht Wildt dennoch positiv. „Aus sehr unterschiedlichen Gründen wird die Bedeutung der assistierten Reproduktion in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Etwa wegen dem zunehmenden Alter, in dem Frauen ihren Kinderwunsch realisieren wollen oder auch weil immer mehr neue Partnerschaften in der Altersgruppe über 30 eingegangen werden. Es ist zu hoffen, dass die Gesetzgebung diesen Umstand berücksichtigen wird.“

Möglicherweise wird die moderne Reproduktionsmedizin ja die Familienplanung verändern: Frauen werden frische Eizellen in jungen Jahren entnehmen und einfrieren lassen, um im fortgeschrittenen Alter Kinder risikolos auszutragen. Das könnte etwa ein Weg sein, um Frauen den Zeitdruck für ihre Familienplanung zu nehmen. Aber auch – wenn man ein wenig weiter denkt – um die Geburtenrate in den deutschsprachigen Ländern wieder etwas voranzutreiben.

 

 

Aktuelle Pressemitteilung:

PRESSEMITTEILUNG

Die etwas andere Reise zur Mutterschaft: Fortpflanzungstourismus!

Eizellenspende, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft: Erlaubt ist – zumindest in Österreich – nicht alles, was gefällt. Je älter die Mütter werden, desto mehr boomt der sogenannte Fortpflanzungstourismus. Prof. Dr. Wilfried Feichtinger vom Wiener Wunschbaby Institut Feichtinger ist ein verantwortungsvoller Reiseführer, wenn es darum geht Frauen auf ihrem Weg zum Wunschbaby zu leiten und zu begleiten.

 

Das Koch-Rezept für ein Baby

Vom Standpunkt der Wissenschaft aus betrachtet klingt die Sache einfach. Die Mediziner gehen das “Projekt Baby” wie ein Kochrezept an. Man nehme: Eine Gebärmutter zum Austragen des Babys sowie Top-Spermien auf der einen und eine funktionstüchtige Eizelle auf der anderen Seite. Die Zutaten, die aufgrund der Wechseljahre oder anderer medizinischer Ursachen nicht mehr verfügbar sind, werden auswärts – im Ausland – beschafft. Also lassen sich Frauen mit Kinderwunsch und zu vielen Kerzen auf dem Geburtstagskuchen Spendereizellen einpflanzen, suchen auf der Samenbank nach Superman-Sperma oder im Internet nach einer Leihmutter.

„Selbstsüchtig und verantwortungslos”, meinen die einen. „Jeder sollte dann Kinder bekommen, wenn es passt“, finden die anderen. „Die Wahrheit liegt in der Mitte“, sagt der Reproduktionsmediziner Prof. Dr. Wilfried Feichtinger. Frauen sollten selbst entscheiden können, wie fit sie sich fühlen und ob sie auch im fortgeschrittenen Alter für ihre Wunschbabys eine gute Mutter sein werden. Die Pflicht und Herausforderung des Arztes ist es, bei diesem Entscheidungsprozess aufklärend, beratend und unterstützend mitzuwirken.

 

Weitere Informationen im Anhang oder unter www.wunschbaby.at

 

 

die schroeder
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