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Frauen in der Kunst

Frauen in der Kunst, im zeitgenössischen Verständnis bezieht sich das vor allem auf das Wirken von Frauen in der Kunst. Doch nach wie vor sind es die „Frauenkörper in der Kunst“, die Beachtung finden weil sie als Projektionsfläche männlicher Fantasien dienen. Und das in einem menschenunwürdigen Ausmaß.

Seit einigen Jahrzehnten hält unter der so genannten Meinungsfreiheit oder Freiheit in der Kunst die Pornografie Einzug in die Kunstwelt. Dass es bei der Diskussion um Pornokunst nicht immer gleich um Lustfeindlichkeit, Sittenwacht oder antiquierte sexuelle Moralvorstellungen gehen muss, wird deutlich, wenn man die Flippermaschine mit den vorne anmontierten, gespreizten Frauenbeinen der amerikanischen Künstler Ed & Nancy Kienholz, die in der Ausstellung „The Porn Identy“, die im letzten Jahr in der Kunsthalle zu sehen war, betrachtet. Die Kunsthallen-Gastkuratoren Thomas Edlinger und Florian Waldvogel erklärten: „Porno ist das, womit und wobei wir uns nicht erwischen lassen wollen.“ Sicher, das mag auf den ein oder anderen zutreffen, doch dass das Wort Pornographie aus dem Altgriechischem stammt und sich aus den Worten ‚graphos’ (Schreiben, abbilden) und ‚porne’ (Hure) zusammensetzt, sich also auf die Abbildung von Prostituierten, bzw. von Frauen die als solche verstanden werden bezieht, wurde in der Ausstellung nicht thematisiert.

Der bekannte New Yorker Fotograf Thomas Glover, der unter anderem bereits Fotos für Werbekampagnen produzierte, bezeichnet seine Arbeiten als „realistische Männerfantasien“. Eines seiner Bilder zeigt eine junge Frau, deren Hände an Badezimmer­amaturen gefesselt sind, auch ihre Füße sind gefesselt. Sie liegt nur in einem Tanga bekleidet in der Badewanne. Neben ihr am Rand ein Rasiermesser und hochhackige Pumps. Im Sinne der Kunst reicht die Degradierung von Frauenkörpern mittlerweile bis hin zum Selxualmord und zur Gruppenvergewaltigung. Da werden Frauen gefesselt, etwa wie in der letzten Humanic-Werbung, in der die Frau von einem Mann ans Bett gebunden wird, nur damit sie keine Schuhe mehr kaufen kann, es werden ihnen die Köpfe am Bildrand abgeschnitten (wer braucht die schon?) oder sie werden in Posen als Leiche dargestellt, um für sündhaft teure Designertaschen zu werden. Einer der Vorreiter der pornografischen Modefotografie war Starfotograf Helmut Newton. Seine Aktfotostrecke „Big Nudes“, die nackte Frauen in hochhackigen Schuhen zeigt, wurde auf der ganzen Welt ausgestellt und löste bei Feministinnen Empörung aus. Dass er Frauen aber auch gerne für seine Fotos fesseln ließ oder ihnen auch schon einmal auf allen Vieren kniend einen Sattel auf den Rückenlegte, ist weniger bekannt. Bestes Beispiel ist sein (von ihm selbst als solches bezeichnete) Lieblingssujet „Frau mit Hund“: Eine Frau, gefesselt an Stahlketten, mit gespreizten Beinen liegt sichtbar überwältigt vor einer Dogge auf dem Boden. Ob er seine Inspiration daraus schloss, dass in einigen Diktaturen die Vergewaltigung von Frauen durch dafür abgerichtete Doggen eine gängige Foltermethode war, ist nicht bekannt. Newton selbst bezeichnete sich als Feminist und verwies darauf, dass es sich bei seinen Models um starke Frauen handele. „Eine schwache Frau unterwerfen – wie uninteressant. Eine starke Frau brechen – echt scharf“, fasste es Alice Schwarzer bereits 1993 in der Emma zum Thema Pornografie – Helmut Newton“ zusammen.

 

Dieser Beitrag wurde für das Falter Extra im August 2010 verfasst – Im Zuge der Diskussion um eine Ausstellung der Fotogalerie PhotographerslimitedEditions.com am Bauernmarkt 14 in Wien

die schroeder
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3 Comments
  1. Die Pornografie ist eines der letzten Rückzugsgebiete der männlichen Fantasie geworden, schließlich drängen die Frauen immer mehr in sämtliche Bereiche vor, die bislang von Männern dominiert wurden, sei es im Job, der Forschung oder der Politik.
    Die vielen Sado-Maso-Themen in der Kunst zeigen sehr deutlich, dass die Männer hier stellvertretend gerne die Frauen zumindest für eine kurze Zeit wieder gerne zum hilflosen und abhängigen Sexobjekt degradieren wollen. Das Paradoxe dabei: In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Nicht wenige Männer erleben es als lustvoll, wenn sie sich in die Hände einer Domina begeben und bezahlen sogar dafür, als hilfloses Opfer behandelt zu werden. Von Maso-Sexarbeiterinnen, quasi den Gegenstücken der Domina ist jedoch weitgehedst nichts bekannt.
    Lassen wir ihnen also den Männern ihre Porno-Kunst. Die Realität sieht nämlich ganz anders aus.

  2. hervorragend! merci frau kollegin!

  3. Angeblich ist es für einen Kanadier in Europa (Amerika wohl auch?) unerträglich, unsere Werbeplakate zu betrachten, angeblich melden da sogar die kanadischen Herren Sexismus und wenden sich ab. Ich denke durchaus, dass diese Bilder in Vogue und co., die Schuhe, Taschen, Parfüms bewerben die jungen Frauen und Männer prägen in ihrem Bild, was eine Frau, was ein Mann ist, und wie man sich verhält oder verhalten darf. Aber wie bei Kriegsspielen und Games und dergleichen sind sie natürlich nicht Ursprung sondern wohl eher Ausdruck oder Kompensierung oder einfach eine Form der Unterstützung von bestehenden Weltbildern und Fantasien.

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