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Anziehender Mann?

Artikel aus der Presse von Freitag, 18. November 2011. Er ist Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Model und seit ein paar Tagen kann man sich auch in Til Schweiger kleiden.

„Ich gebe mir Mühe, ich will ja nicht auf die Fresse fallen“, sagte Til Schweiger Backstage, kurz bevor er auf den Laufsteg trat. Der deutsche Schauspieler ging am 9. November bei den Charles Vögele Fashion Days in Zürich zum ersten Mal als Model über den Laufsteg. Doch nicht nur, um sein gutes Aussehen zur Schau zu stellen. Die Kleidung, die er auf dem Leibe trug, hat der 47-jährige selbst entworfen. Die Til Schweiger Kollektion für Biaggini Violett ist in Zusammenarbeit dem Schweizer Modelabel Charles Vögele, entstanden. „Vor etwa einem Jahr hat man mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Mode zu entwerfen. Ja klar, habe ich gesagt.“ Daraufhin hat Christian Braun, Chefdesigner bei Charles Vögele, den Schauspieler zuhause in Berlin besucht, um sich ein Bild von seinem Kleiderkasten zu machen. Was er darin fand waren vor allem T-Shirts. „Davon besitze ich etwa 100 Stück. Dafür habe ich nur etwa 10 Paar Schuhe“, erklärt Schweiger. „Mein Stil ist recht simpel. Im Sommer trage ich am liebsten Jeans und T-Shirt, im Winter Jeans und Pulli.“ Daher ist die Kollektion auch eher schlicht gehalten: Einfach, cool und maskulin. „Ich mag keinen Schickschnack. Ich möchte, dass der Mensch im Vordergrund steht und nicht von der Mode verdeckt wird“, so Schweiger. Zudem sind die insgesamt 34 Outfits, die bereits am Tag nach der Show im Handel erhältlich waren, auch erschwinglich, der VK-Preis beginnt ab 15 Euro.

Ausgearbeitet wurde die Linie von dem Designteam von Charles Vögele. Die Details der Kollektion, wie Stoffe, Nähte, Schnitte und Knöpfe hat Til Schweiger bestimmt. „In erster Linie habe ich Anregungen gegeben. Auch wenn ich bei der Bundeswehr gelernt habe, wie man einen Knopf annäht, ich saß nicht da mit Maßband und Schere. Dafür gibt es gelernte Modedesigner“, so der Schauspieler. Ein gelerntes Model ist Schweiger auch nicht, daher fielen ihm die Shootings für die Kampagne auch etwas schwer. Dennoch hat er brav posiert und auch seinen Auftritt auf dem Laufsteg in Zürich gut gemeistert.

Es hätte die 950 geladenen Gäste bei der Show sicher auch überrascht, wenn der Frauenschwarm gescheitert wäre. Denn sein Konzept: schlicht, cool, männlich, geht nicht nur bei der Auswahl von Mode, sondern auch als Schauspieler, und seit einigen Jahren auch als Drehbuchautor und Regisseur auf. Til Schweiger tut eben das, was er kann: Die Massen bedienen.

Nach einer Schauspielausbildung in Köln erhielt er 1990 die Rolle des Sonnyboys „Joe Zenker“ in der ARD-Serie Lindenstraße, ein Jahr später spielte er die Hauptrolle in der Ruhrpott-Komödie „Manta, Manta“. Bekannt wurde der Schauspieler mit der nuschelnden Aussprache als notorischer Fremdgeher in Sönke Wortmanns Film „Der bewegte Mann“ (1994). Zwei Jahre später gründete Schweiger die Produktionsfirma Mr. Brown Entertainment und versuchte sich als Produzent des Films Knockin’ on Heaven’s Door“, der sofort zum Kassenschlager wurde. Auch wenn der große Durchbruch in Hollywood bisher ausblieb, konnte er sich dort als Charakterdarsteller ein wenig abseits des Mainstreams versuchen. So wie 2009 in Inglourious Basterds, für den er von Quentin Tarantina als deutscher Nazikiller besetzt wurde. Kurz zuvor zauberte Schweiger als Drehbuchautor und Regisseur den Sensationserfolg Keinohrhasen (2007) aus dem Hut und belegte damit Platz 10 der Liste der erfolgreichsten deutschen Filme in Deutschland (seit Beginn der offiziellen Zuschauerzählung 1968). Teil 2 des Liebesfilms, in dem er ebenfalls wie im ersten Teil die männliche Hauptrolle übernahm, erreichte 2009 mit 860.000 Kinobesuchern bereits am Starwochenende den ersten Platz der deutschen Kinocharts. Als Schauspieler sahen ihn in den drei Filmen Inglourious Basterds, Männerherzen, eine deutsche Filmkomödie von Simon Verhoeven und Zweiohrküken mehr als sechs Millionen Zuschauer. Kein anderer deutscher Schauspieler hat bisher mehr Zuschauer ins Kino gezogen. Bleibt nun abzuwarten, ob seine Fans sich nicht nur von ihm angezogen fühlen, sondern sich auch von ihm anziehen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die schroeder
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