Skylifter-1
0
Schön abgehoben

Himmelsstürmer oder Luftikus? Ein Luftschiff am Himmel kann viel tragen, ist gut für die Umwelt und weckt romantische Gefühle bei den am Boden gebliebenen. Ob Zeppeline als Transportmittel aber einmal abheben werden, steht aber noch in den Sternen. Projekte zwischen Flops und Visionen.
Dieser Text ist am 7. November im profil erschienen

Wie eine überdimensionale Frisbeescheibe gleitet er mit 70 Kilometer pro Stunde durch die Luft. UFO-Anhänger könnten den Skylifter auch mit einer fliegenden Untertasse verwechseln. Die fliegende Scheibe ist ein Projekt des 2008 gegründeten australischen Unternehmens SkyLifter Pty Ltd und derzeit das wohl realistischste Unterfangen mit Helium-gefüllte Luftschiffe für den Transport von Lasten an den Himmel zu bringen. Die „kleinen“ Prototypen des Skylifters mit einer Länge von 18 Metern haben sich bereits bewiesen. Aufgrund der Scheibenform sind sie leicht zu manövrieren und können laut Testergebnissen mehrere Tonnen an Waren transportieren. Der große und eigentliche Prototyp soll einmal eine Länge von 150 Metern haben und bis zu 150 Tonnen über eine Distanz von 2000 Kilometern tragen können. Was man an die fliegende Scheibe dranhängt, ist variabel. Je nach Gusto kann das ein Luxushotel, das verwöhnte Urlaubsgäste in den Himmel hebt, ein mobiles Krankenhaus, das in Krisengebieten eingesetzt wird oder eben Container mit Waren sein.

Seit dem Jahr 1937, als das deutsche Luftschiff Hindenburg, das auch als die Titanic der Lüfte bezeichnet wurde, über New Jersey abfackelte und 35 Menschen mit sich in den Tod riss, werden Zeppeline immer mit einem mulmigen Gefühl am Himmel betrachtet. Letztlich liegt das aber wahrscheinlich an der ansehnlichen medialen Aufbereitung der öffentlich rechtlichen Fernsehsender, die regelmäßig mit Dokumentationen zum Unglück oder sogar mit Starbesetzung inszenierten Spielfilmen aufwarten. Der Zeppelin zur Menschenförderung fristet seitdem eher ein Nischendasein. Auch wenn es hier und da Tourismusprojekte gibt.

Das derzeit größte Luftschiff, das sich im Einsatz befindet, ist der Zeppelin NT, der aus dem traditionellen Werk in Friedrichshafen in Deutschland stammt. Er hat eine Länge von 75 Metern und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 125 Kilometern pro Stunde durch die Lüfte. Nostalgiker können leise surrend in 300 Metern über dem Bodensee schweben, dort wo rund 12 verschiedene Flugrouten angeboten werden. Aber auch für Werbezwecke werden die fliegenden Zigarren gerne eingesetzt. Erst dieses Jahr hat das Werk in Friedrichshafen das vierte Luftschiff für Touristenflüge und Werbeaktionen an die Goodyear Tire & Rubber Company in San Francisco in den USA verkauft. Anfang 2014 soll der erste Zeppelin, der Goodyear rund 14,5 Millionen Euro gekostet hat, in den Dienst gestellt werden.

Seit einigen Jahren sind die mit Helium gefüllten Flugriesen auch wieder als Lastenschiffe für Transportzwecke im Gespräch. Neben der Skylifter Company aus Australien haben sich auch andere Unternehmen auf den Bau von Zeppelinen als Transportmittel spezialisiert. Die riesigen Heliumballons sollen in naher Zukunft Flugzeuge ersetzen. Die Vorteile dafür liegen auf der Hand und haben nicht nur Kostentechnische Gründe.

Die „Hindenburg“ damals war noch mit Wasserstoff gefüllt, was letztlich auch zur der enormen Explosion geführt hat. Helium hingegen ist zwar sehr viel teurer, dafür aber nicht feuergefährlich. Da Helium „leichter“ ist als Luft trägt es zum Auftrieb des Schiffes bei. Den Auftrieb unterstützt heute aber auch das aerodynamische Design, das wie beim Skylifter auch schon mal von der bekannten Form abweichen kann. Zudem sind die modernen Zeppeline von Propellermotoren, die das Steuern aber auch den Antrieb ermöglichen, angetrieben.

Durch den Einsatz der Luftschiffe könnten daher Treibhausgasemissionen, die zur Erderwärmung beitragen, reduziert werden. Zudem werden keine speziellen Flughäfen benötigt. Die Fracht wird einfach überall da, wo das Schiff in der Luft stehen bleibt über Lifte nach unten transportiert. Egal wie abgelegen die Region auch ist, der Zeppelin fliegt einfach hin und entlädt die Fracht direkt vor Ort. Die Ware müsste somit auch nicht mehr von Flughäfen oder Umschlagpunkten weitertransportiert werden. Die Transportschiffe wären daher auch geeignet für Katastrophengebiete, etwa nach Überschwemmungen, in die sie Hilfsgüter direkt an Orte liefern könnten, an die sonst keiner kommt.

21 Tage am Stück soll der SkyCat des britischen Luftfahrtunternehmen HAV in der Luft bleiben können, ferngesteuert weil komplett unbemannt. Die Himmelskatze ist kommt ganz ohne Metallgerüst im Inneren aus und ist ein so genannter Blimp, was sich auf das Geräusch beim Schnippen mit den Fingern gegen ein prall gefülltes Luftschiff zurückführen lässt. Der größte der Luftkatamarane, wie sie offiziell genannt werden, ist mit vier Dieselmotoren ausgestattet und soll bis zu 300 Meter lang sein und bis zu 1000 Tonnen durch die Lüfte transportieren können. Ob die Katzen eines Tages wirklich abheben werden, steht jedoch derzeit noch in den Sternen.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Projekte zu neuartigen „Zeppelinen“, die für Lastenbeförderung eingesetzt werden sollten. Viele Unternehmen, die sich mit den umweltfreundlichen Flugobjekten gerne einen Namen gemacht hätten, sind letztlich an den Investoren gescheitert. Die Hoffnungen, die Renaissance der Luftschiffe auferleben zu lassen, sind damit oft auch geplatzt. So geschehen mit dem „Cargolifter“, der bis zu 160 Tonnen schwere Lasten tragen sollte und für den extra eine riesige von Steuergeldern gebaute Werfthalle in Brandenburg aufgestellt wurde. Das Unternehmen Cargolift AG meldete 2002 Insolvenz an. Doch auch wenn man sich 7 Jahre später wieder mit dem neuen Unternehmensnamen „CL Cargolifter GmbH & Co. KG auf Aktien“ und guten Vorsätzen zurückmeldete, wirkt auch die neue Idee wieder ein wenig abgehoben. Nun soll nur noch das Heben und Transportieren von Waren an Umschlagsplätzen mit Ballons umgesetzt werden. Diese würden keine große Halle zum Bau, sondern nur eine kleine Werkstatt benötigen, so die offiziellen Bekundungen der Firmenbosse.

Auch der US-Konzern Boeing wollte mit einem Zeppelinmodell für Furore sorgen. 2008 kündigte man an, man plane ein Luftschiff, das bis zu 40 Tonnen schwere Lasten ohne Aufzutanken über 320 Kilometer weit transportieren könne. Der 92 Meter lange Skyhook, also Himmelshaken, soll die Fracht an Seilen hängend mit sich in entlegene Regionen ohne ausgebautes Straßennetz – wie es sie etwa in Kanada oder Alsaka gibt – befördern. Doch auch das Boeing-Vorzeigeprojekt wird später abheben als geplant, der Baubeginn des Skyhook verzögert sich bereits seit Jahren immer wieder. Statt wie erst geplant 2012 soll das als Skyhook Heavy Lift Vehicle bezeichnete Modell jetzt erst 2014 fliegen. Es bleibt als spannend.

Trotz einiger gescheiterter Projekte gibt es nach wie vor Hoffnung für die gleitenden Himmelsstürmer. Nicht nur weil große Firmen Luftschiffe als prestigewürdige Aushängeschilder planen, sondern auch wegen innovativer Ideen junger Studenten an Universitäten überall auf der Welt. So wie der Entwurf der Tanah Air Ships der beiden TU-Studenten der Universität Wien Daniel Schürr und Florian Waldmayer zeigt. Die beiden Österreicher haben sich für ihre Diplomarbeit Solarluftschiffe für das Atoll Indonesien ausgedacht. Bei dem Inselstaat ist der Transport von Menschen und Waren eine große Herausforderung. Derzeit sind die rund 17.000 Inseln durch Flug- und Schiffsverkehr miteinander verbunden. Die mit Solarenergie betriebenen Luftschiffe könnten als Verkehrsmittel für Personen aber auch für den Transport von Waren zwischen den einzelnen Inseln eingesetzt werden. Nicht nur, dass durch die Schiffe in der Luft das Klima geschont würde, sie sind auch schneller als die zu Wasser. Für das derzeit mit 40.600 Kilometern große Netzwerk würden laut dem Entwurf rund 188 solarbetriebene Luftschiffe mit 47 Terminals benötigt werden.

Die Idee der Luftschiffe erregte auch an der TU Wien Aufmerksamkeit. Die Diplomarbeit wurde von der Fachjury der Ausstellung „archdiploma2011“, in der die besten Diplomarbeiten der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien gezeigt werden, prämiert. Vielleicht ein Hinweis dafür, dass es nach wie vor Menschen gibt, die an die umweltfreundliche Transportvariante, die wir so dringend für die Zukunft benötigen, glauben.

LINKS to have a view:

 

Zeppeline in Planung:

Skyhook Luftschiff von Boeing: www.boeing.de

Cargolifter: http://www.cargolifter.de/geschichte_der_cl_ag.html

Skycat: http://www.worldskycat.com/

skykitten: http://www.worldskycat.com/skycat/skykitten.html

Skylifter: http://skylifter.com.au/

TU Projekt: http://archdiploma11.archlab.tuwien.ac.at/1/webmill.php?id=56026&t_box=2&lin=addetail&ditem=217640

 

 

 

die schroeder
Website
Your Name Email Website


nine − = 7